Jüngst verehelichte sich der Chefarzt der urologischen Abteilung des katholischen Marienkrankenhauses einer westfälischen Industriestadt und fuhr anschließend in Hochzeitsurlaub. Als er zurückkehrte, fand der verblüffte Doktor eine Anweisung, vor, die ihm den Zutritt zum Krankenhaus von Stund an strikt untersagte – er war fristlos entlassen. Der Grund: Er hatte eine geschiedene Frau geheiratet – sonst nichts.

Ein ähnlicher Fall geriet vor drei Wochen ins Tagesgespräch: Ein Chirurg mußte schleunigst mitsamt seiner Frau, die ihm als Fachärztin für Anästhesie zur Hand ging, seinen Platz in einem katholischen Beleg-Krankenhaus räumen, weil eine frühere Ehescheidung des fähigen und angesehenen Arztes plötzlich als störend empfunden wurde.

Wie die Mehrheit der Ärzte und wohl auch die Mehrheit der ehemaligen, derzeitigen und künftigen Klinikpatienten über derartige Vorkommnisse denkt, das hat der mächtige "Verband der Ärzte Deutschlands (Hartmannbund)" am 23. Oktober in seiner knappen Erklärung zu der erwähnten Entlassung des Arzt-Ehepaares ausgedrückt: "Wir mißbilligen die Kündigung dieser Kollegen, die mit ihrer fachärztlichen Eignung nichts zu tun hat ebenso scharf wie bestimmte Vertragsklauseln, die derartige Kündigungen androhen."

Solche Vertragsklauseln lesen sich zum Beispiel so: "... soll (der Arzt) seine Tätigkeit aus der Sicht des katholischen ärztlichen Berufsethos ausüben und ... kann eine Kündigung mit sofortiger Wirkung ausgesprochen werden wegen religiössittlicher Tatbestände in der Person des Arztes, die angesichts des katholischen Charakters des Krankenhauses von besonderem Gewicht sind, wie zum Beispiel ein schwerer Verstoß gegen die Moralgesetze der Kirche."

Warum werden eigentlich Krankenhaus-Doktoren so oft nach ihren Gesang- oder Parteibüchern beurteilt? Gibt es denn eine konfessionelle oder parteipolitische Medizin? Gibt es etwa einen katholischen Herzinfarkt oder einen evangelischen Blinddarm? Brauchen wir eigentlich noch konfessionelle Kliniken?

Nun, es war immerhin die Kirche, die sich wesentlich früher als die Medizin dem Krankenhauswesen zuwandte. Das große Verdienst der Kirche bleibt die Einrichtung karitativer Armen-Hospitäler vor einigen hundert Jahren. Diese mittelalterlichen Häuser "gehören aber der Vergangenheit an", ließ just der Präsident der "Katholischen Ärztearbeit Deutschlands" verlauten, "sie haben in unserem nahezu vollendeten Wohlfahrtsstaat keine Daseinsberechtigung mehr. Auch das Arm- und Kranksein ist heute zum Geschäft geworden. Ist es da verwunderlich, daß auch uns Christen der Sinn und das Gespür für echte Nächstenliebe weitgehend verlorengegangen sind?"

In der Tat ist es so: Das demütige Samariter-Spital von einst hat sich gewandelt in einen profanen, nüchternen Geschäftsbetrieb. Und Gott sei’s geklagt: das konfessionelle Wirtschaftsunternehmen Krankenhaus scheint seine ärztlichen Betreuer zumal da, wo bischöfliche Verwaltungen die Oberhand haben, mitunter nur als notwendige Übel in einen schlechten Kauf zu nehmen. "Diese Brüder wollen ja nur unser Geld", schwadronierte unlängst ein maßgeblicher geistlicher Bistums-Herr.