Von H. M. Nieter O’Leary

Cecil Rhodes’ Traum von einem großen zentralafrikanischen Reich ist ausgeträumt. Heute verbergen sich unter den Namen Sambia, (ehemals Nordrhodesien), Südrhodesien (jetzt offiziell in Rhodesien umgenannt) und Malawi Länder, die unter der Föderation Nord- und Südrhodesien und Nyassaland hießen. Wenn jedoch nicht alle Anzeichen trügen, wird Sambia unter Dr. Kenneth Kaunda zu einem der politisch und wirtschaftlich stabilsten afrikanischen Staaten. Kein Wunder also, wenn jetzt das Interesse für Sambia so groß ist, daß die englischen Leihbüchereien alle Werke über Nordrhodesien auf Monate hinaus vorbestellt sind.

Cecil Rhodes wußte schon, weshalb er das Riesengebiet zwischen den Strömen Limpopo, Sambesi und dem Luangwa zu einem britischen Dominion machen wollte: die Erzlager im Norden und das fruchtbare Land im Süden; dazu noch, so nebenbei als Zugabe, märchenhafte Landschaften und von Geheimnissen umwobene Ruinenstädte; die von ewigen Regenbogen überspannten Viktoriafälle und die Matapos, das Walhalla des Matabelevolkes; Khami und Simbabwe verlassene, gespenstische Städte, über die sich Archäologen so schön streiten können, ob sie dreitausend Jahre alt sind oder nur einige hundert.

Sagenhafte Vergangenheit und die in Unruhe geratene Gegenwart machen diese Gebiete zu einem der interessantesten Reiseländer unserer Zeit. Sie sind, Gerüchten zum Trotz, ohne besondere Gefahren – es ist oft gefährlicher, in europäischen Großstädten die Straße zu kreuzen. Der politische Kessel brodelt zwar, aber nur für die Beteiligten. Der Tourist nimmt immer eine Sonderstellung ein, und seine Devisen sind gern gesehen.

Nur möchte ich jedem, der Länder in Gärung sehen will, raten, seine Reise nicht auf Sambia zu beschränken, sondern unbedingt Südrhodesien in den Reiseplan einzubeziehen. Sambia ist ein afrikanisches Land mit leicht europäischem Einschlag und Südrhodesien europäisch mit afrikanischen Kontrapunkten. Allerdings wir die Zukunft lehren, daß man auch hier ein Klavier nur auf schwarzen und weißen Tasten spielen kann.

Sowohl Ndola in Sambia wie auch Salisbury, die Hauptstadt Südrhodesiens, werden von den großen Fluglinien angeflogen. In der früheren Föderation wird der Flugverkehr von den "Central African Airways" besorgt, die mit modernen Maschinen täglich alle wichtigen Plätze verbinden. Die "Office for Tourist Development" in Salisbury, Südrhodesien freut sich über jede Anfrage und kann auch Kombinationsreisen arrangieren. Wer Zeit hat und den Seeweg vorzieht, kann vom Hafen Beim (Mozambique) mit einem luxuriösen Zug in einer unvergeßlichen Fahrt durch Dschungel und Savanna nach Salisbury reisen. Rhodesien liegt auf einem Hochplateau zwischen 600 und 1500 Metern und hat in der Reisezeit von Mai bis Oktober ein herrliches italienisches Klima.

Salisbury ist eine der modernsten Städte Afrikas. Hier haben sich europäische Architekten austoben dürfen, und das empfehlenswerte Meikle’s Hotel sieht wie eine verkleinerte Version des Rockefeller Centres in New York aus. In der Bar wird der Fremde zwei immer wiederkehrende Worte hören: Tabak und Kupfer. Der Reichtum des Landes im Süden und Sambias im Norden. Wenn gerade Tabakauktionen stattfinden, sollte niemand sie versäumen. Das Auktionsritual für die Göttin Nikotina ist einzigartig. Der Auktionator läuft an den Tabakballen vorbei und singt dazu eine merkwürdige Melodie, brabbelt Worte, die nur Händler oder Farmer verstehen, und treibt die Preise höher.