Egon Monk, der nun gewiß weniger dem Märchen und der Betulichkeit zugeneigt, der selbst von sich sagt, daß seine Art von Vergnügen sich auf das Sehen, Betrachten, Beobachten dessen richtet, was in der Gesellschaft vorgeht, hat es mit dem realistischen Fernsehfilm versucht in "Wilhelmsburger Freitag". Das sollte – nach einem Buch von Christian Geissler – Beobachtung eines Alltags werden beinahe ohne Dramaturgie, aber der Fall geriet gleich zu simpel, war zu sehr Abfilmung einer nun doch deutlich gestellten Situation. Alltag gerade in seiner Ereignislosigkeit authentisch nachzuspielen, gehört zum schwierigsten aller Film- und Fernsehregie.

Erfolgreicher hat Monk es bereits früher in Geisslers "Anfrage", auf andere Weise auch in Geisslers "Schlachtvieh", getan. Schließlich steht seine Inszenierung von Brechts "Leben des Galilei" für das Programm, das er sich gesetzt hat: "... wir glauben, feststellen zu können, daß beispielsweise allzu großes Vertrauen zur Staatsform, zu Regierungen, zur Obrigkeit, zur Administration in der Vergangenheit der Deutschen zu schlimmen Folgen geführt hat; ein Teil unserer Fernsehspiele ist deshalb darauf gerichtet, etwas mehr Mißtrauen an die Stelle von Vertrauen zu setzen und, neben der Bereitschaft zu glauben, die Fähigkeit zu zweifeln etwas zu aktivieren."

Dieser – wenn man so will – politischen Absicht entspricht die ästhetische: dem Zuschauer nicht die "ganze Realität" bieten, sondern eine strenge Auswahl; Wechsel von subjektiver und objektiver Erzählweise; Versuche mit der Asynchronität von Bild und Ton. So wenig neu das für den modernen Film sein mag und so wenig Monk sich im "Wilhelmsburger Freitag" selbst an diese Maximen gehalten hat, so klingt doch zumindest theoretisch das Bestreben an, nicht "runde Geschichten" zu liefern, sondern Perspektiven der Realität, womit der Zuschauer (entsprechend der Brechtschen Forderung) vom Genießerischen weg zur Aktivierung hingeführt werden soll. In der "Anfrage" ist er diesem Ziel am nächsten gekommen.

Heinar Kipphardt, der nun zwar seinen Ärger mit Oppenheimer hat, weil dieser die seinerzeitigen beschämenden Verhöre heute nicht mehr so wichtig nehmen will, hat genau im Monkschen Sinne einen dokumentarischen Vorgang exemplarisch bearbeitet und akzentuiert, ferner durch einen Sprecher zum demonstrativen Fall gemacht. Hier ist der sachliche Stoff, der genauer als die literarisch überspitzte Vision Dürrenmatts in den "Physikern" die Grenze bezeichnet, an die der Wissenschaftler bei heutigem staatlichen Sicherheitsdenken kommen kann: Hier ist die aufklärerische Berichtsform, die dem publizistischen Instrument Fernsehen entspricht.

Mit einigen Erweiterungen erscheint Heinz Ungureits Artikel im Dezember in der Zeitschrift "Filmkritik". D. Z.