Was eigentlich, werden wir gefragt, hat Hugo Moser, der neue Rektor der Universität Bonn, der inzwischen feierlich in sein Amt eingeführt wurde, zu tun mit dem Verhalten der Philosophischen Fakultät dieser Universität in jenen Jahren, für die keiner von uns gern Verantwortung übernimmt?

Irgend jemand wird irgendwann einmal die Kraft und die Zeit und den Mut finden, im Zusammenhang darzustellen, was zusammenhängt. Unter Zeitdruck und ohne freien Zugang zu den notwendigen Informationen ist es nicht zu machen. Wir können nur Stück für Stück beitragen, was wichtig erscheint.

Da wird von alteingesessenen Professoren der Universität Bonn, in privat-vertraulicher Korrespondenz, beispielsweise unterstellt, der ganze Fall "Moser und die Universität Bonn" sei nichts anderes als Ausfluß des Ressentiments eines Akademikers, der es in Bonn zu nichts Rechtem gebracht habe. Über diesen Mann erfährt man außerdem, er sei "Lektor eines Frankfurter Verlages".

Nun bin ich zufällig in der Lage, es besser zu wissen: Ich studierte nach dem Kriege in Bonn. Und Ernst Robert Curtius, dessen Schüler heute doch alle gewesen sein wollen, die "geisteswissenschaftlich" hierzulande mitreden, ließ aus unserer Studentengeneration nur wenige, fünf oder fünfzehn, gelten: Unter den wenigen stand an erster Stelle Walter Boehlich, den er zu seinem Assistenten machte und der heute nicht "Lektor eines Frankfurter Verlages" ist, sondern derjenige, der im literarisch anspruchsvollsten deutschen Verlag, dem Suhrkamp Verlag, mit und neben Siegfried Unseld die Maßstäbe setzt.

Daß Boehlich heute noch lebt, verdankt er der Tatsache, daß das Tausendjährige Reich nur zwölf und nicht dreizehn Jahre gedauert hat. Er würde nicht daran denken, daraus einen Freibrief abzuleiten; er attackiert viel zu gern, als daß er nicht auch selber Attacken mit Anstand und Gelassenheit hinnehmen müßte. Diffamierungen jedoch, bewußte oder fahrlässige Lügen und Verdrehungen wollen wir nicht zulassen.

Manches, was da jetzt in Bonn wieder hochkommt, erfüllt nicht nur uns, erfüllt auch viele Bonner Studenten und Professoren mit einem Unbehagen, für das in der Tat Hugo Moser nur noch der aktuelle Anlaß ist.

Freilich erfahren wir davon mehr in persönlichen Unterhaltungen und vertraulichen Briefen. Dort, wo Veröffentlichung gewünscht wird, begegnen wir einer schmalen, aber stramm ausgerichteten Front von Fachschaftsvertretern, Doktoranden und Assistenten (die zuweilen vergessen, sich als solche zu erkennen zu geben).