Im Raketen-Wettlauf mit der Sowjetunion haben die Vereinigten Staaten ihren Vorsprung auf 4 : 1 ausbauen können. Nach den Schätzungen des Londoner Instituts für Strategische Studien (siehe Schaubild) würde sich dieser Vorsprung allerdings verringern, wenn die Sowjets im bisherigenTempo weiterbauen. Das amerikanische Bauprogramm für interkontinentale Landraketen soll 1965 im wesentlichen verwirklicht sein. An Bord der amerikanischen Atom-U-Boote werden 1967, nach Abschluß des Bauprogramms, 656 Polaris-Raketen startbereit sein.

Unverändert blieb die Zahl der sowjetischen Mittelstreckenraketen und der sowjetischen Mittelstreckenbomber, die für Einsätze im europäischen und asiatischen Raum vorgesehen sind. Überlegen sind die Sowjets an Zahl der U-Boote. Zur Zeit werden in der Sowjetunion jährlich zehn atomkraftgetriebene U-Boote gebaut.

Die sowjetischen Landstreitkräfte scheinen, trotz gegenteiliger Ankündigungen Chruschtschows, nicht verringert zu sein. 75 Divisionen stehen im europäischen Rußland, 26 in Osteuropa (20 in Deutschland, 2 in Polen, 4 in Ungarn, 17 im fernen Osten und 22 in der übrigen Sowjetunion. Nur die Hälfte dieser Divisionen erreicht jedoch ganz oder nahezu volle Kampfstärke. Seit hohe sowjetische Militärs lokalisierte Konflikte, die nicht in einem atomaren Schlagaustausch der Großmächte ausarten, abermals für möglich. halten, werden die konventionellen Streitkräfte wieder stärker gefördert.

Chinas Stärke liegt – auch nach der Explosion seiner ersten Atom-Vorrichtung – in seinem Menschenpotential. Die Armee ist jedoch strategisch ziemlich unbeweglich, da ihr Nachschubwesen modernen Ansprüchen nicht genügt. Auch die Luftwaffe ist veraltet. Unter diesen Umständen muß China ernsten Konflikten mit Amerika oder der Sowjetunion möglichst aus dem Wege gehen. Anders steht es mit begrenzten Konflikten in Südasien, bei denen die Anwendung atomarer Waffen unwahrscheinlich ist.

In den Schätzungen des Instituts sind unter Westblock alle Länder der NATO, CENTO und SEATO, ferner Japan, Südkorea und Thailand mitgezählt (nicht jedoch Südvietnam). Zum Ostblock zählen die Staaten des Warschauer Pakts, China, Nordvietnam, Nordkorea und Kuba.