Der innerparteiliche Streit um die Außenpolitik der Bundesrepublik, der durch Interviews führender CDU-Politiker offenkundig geworden war, veranlagte die SPD zu vierzehn dringlichen Fragen an die Bundesregierung. Bundeskanzler Erhard lehnte eine sofortige Stellungnahme ab und ließ zwei Tage später fast alle Fragen (bis auf zwei) von Außenminister Schröder beantworten. Kommentar der SPD zum Ergebnis der Fragestunde, aus der wir im folgenden Auszüge bringen: "Schröder hat sich technisch sehr elegant aus der Affäre gezogen."

Mommer / SPD: Ist die Bundesregierung der Meinung, daß durch einen Wechsel an der Spitze des Bundesministeriums des Auswärtigen die Beziehungen zu Frankreich verbessert werden könnten?

Bundeskanzler Erhard: Die Bundesregierung ist nicht dieser Meinung.

Mommer: Würden Sie in diesem Zusammenhang dem Hause auch sagen wollen, welches die künftige Rolle Ihres Vorgängers im Amt, unseres verehrten Kollegen Dr. Adenauer sein wird? (Zuruf aus der Mitte: MdB!) Sonderberater? Sonderbotschafter? Sonderminister? Wie wird seine Rolle sein?

Erhard: Die Beziehungen des Herrn Dr. Adenauer zur Bundesregierung sind so geartet wie die zu allen meinen anderen Kollegen. (Mommer: Hört, hört! Hört, hört, kann man da nur sagen! – Arbeitende Heiterkeit und Händeklatschen.)

Mommer: Würde die Bundesregierung bereit sein, bei einem Scheitern der mehrseitigen Verhandlungen über sinen politischen Zusammenschluß Europas mit der Zweier-Union Deutschland-Frankreich zu beginnen, wie das die Abgeordneten Dr. Gerstenmaier, Dr. Adenauer und Strauß geäußert haben?

Schröder: Die Bundesregierung sieht es als ein sehr vornehmes Ziel an die europäische Einigung im Rahmen der Sechsergemeinschaft vorwärts zu treiben. Darüber hinaus versuchen wir andere europäische Staaten näher an die Gemeinschaft heranzuführen.