Wilhelm Spael: Das katholische Deutschland im 20. Jahrhundert; Echter-Verlag, Würzburg; 376 Seiten, 19,80 DM.

Die Vergangenheit des deutschen Katholizismus gewinnt immer größeres Interesse. Nachdem ungefähr zehn Jahre lang kaum ein ernstzunehmendes Buch zu diesem Thema erschienen ist, kommt nun eins nach dem anderen auf den Büchermarkt.

Spael berichtet – aus eigener Anschauung wie auch aus dem Studium der bisher kargen Veröffentlichungen – über die Geschichte des Volksvereins für das katholische Deutschland, über seine Entstehung, seinen Aufstieg und auch über seinen Niedergang. Er schildert die Entstehung der katholischen Arbeitervereine wie der christlichen Gewerkschaften.

Der zweite Teil des Buches ist der Weimarer Republik gewidmet (nachdem die Geschichte der Katholiken im Ersten Weltkrieg ein wenig summarisch abgehandelt worden ist). Wir begegnen so bedeutenden Gestalten wie Pater Muckermann und Walter Dirks.

Im dritten Teil beschäftigt sich der Verfasser schließlich mit dem Verhalten der deutschen Katholiken während des Dritten Reiches. In einem Bildteil werden die bedeutendsten Persönlichkeiten des deutschen Katholizismus jener Zeit vorgestellt. Ein Personenregister beschließt den Band. Das Buch als Ganzes ist verdienstvoll. Aus der genauen Sachkenntnis des Zeitkenners werden die wichtigsten Fragen angeschnitten und dargestellt.

Dennoch müssen einige Vorbehalte gemacht werden. Einmal liegen für eine so umfassende Darstellung zu wenige Vorarbeiten vor. Wo ist zum Beispiel die wünschenswerte Untersuchung über das Schicksal der Rhein-Mainischen Volkszeitung, vor und nach dem 30. Januar 1933? Über das Ende dieses Blattes gibt es ein dickes Aktenbündel im Diözesanarchiv Limburg.

Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Untergang des Volksvereins. Im Aachener Archiv könnte man erfahren, wie es sich wirklich mit dem Ende dieser Organisation verhielt.