Wenn ich es einrichten kann", meinte mein Freund, "fliege ich mit der Trans World Airways nach New York." Und auf meinen fragenden Blick hin fügte er hinzu: "Dann komme ich wenigstens mal ins Kino." Das kostenlose Kinovergnügen über dem Atlantik – anfangs kostete es einen Dollar extra – half mit, das Passagiergeschäft der TWA in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 28 Prozent anwachsen zu lassen.

Essen und Trinken, Zeitungen und Zeitschriften sind die traditionellen Mittel, mit denen die Luftverkehrsgesellschaften den Passagieren die Zeit vertreiben. Den Amerikanern schien das nicht genug. Das Nachrichtenmagazin Newsweek beschreibt den amerikanischen Flugpassagier von heute so: Während er sein Abendbrot verzehrt, hört er über seinen Kopfhörer ein stereophonisch aufgenommenes Konzert und vertieft sich gleichzeitig geruhsam in die Wild-West-Story, die sich hundert Jahre vorher auf den Prärien unter hm abspielte und nun über die Fernsehscheibe flimmert, wenn er es nicht vorzieht, die Übertragung des entscheidenden Baseballspiels mitzuerleben.

Das Showgeschäft hat Eingang gefunden in den amerikanischen Luftverkehr. American Airlines und Continental Airlines bauten in ihre Flugzeuge kleine Fernsehgeräte in jede Sitzreihe, United Air Lines, die größte Fluggesellschaft überhaupt, bevorzugt Kabinen-Kino. Pan American World Airways, Eastern Air Lines und einige andere Gesellschaften bereiten Unterhaltungsprogramme für ihre Passagiere vor.

Es ist kein leichtes Geschäft, auf das sich die amerikanischen Fluglinien – von anderen Gesellschaften sind derartige Pläne noch nicht bekannt geworden – da eingelassen haben. Für die Auswahl der Filme mußte eine eigene Abteilung in der Hauptverwaltung geschaffen werden, denn natürlich dürfen in der Handlung keine Flugzeugzwischenfälle vorkommen, die Filme dürfen nicht alt sein, sonst beschweren sich die Passagiere, daß sie den Streifen schon kennen, und es muß der mittlere Geschmack getroffen werden. Die Übernahme von Fernsehsendungen bereitet da weniger Kopfzerbrechen.

Es ist aber auch kein billiges Geschäft. Die TWA gibt für die Ausrüstung der Flugzeuge und die Leihgebühren für Filme jährlich zwei Millionen Dollar aus. Man spricht davon, daß Pan Am, der schärfste Konkurrent der TWA im internationalen Verkehr, sogar fünf Millionen Dollar für die Unterhaltung der Fluggäste aufwenden will. Und die Ausrüstung eines Düsenflugzeugs mit Fernsehempfängern, die auch von einem Fernsehmagnetband gespeist werden können, kostet rund 50 000 Dollar. Die vielen als "Souvenir" mitgenommenen Kopfhörer eingerechnet.

Am Flughafenschalter der TWA in Los Angeles werden vorsichtshalber Freikarten für das berühmteste Hollywood-Kino, Graumann’s Chinese Theatre, bereitgehalten für den Fall, daß die Kinoausrüstung im Flugzeug versagt und Fluggäste sich wegen des entgangenen Filmspektakels beschweren. H.M.