Von Vitus Dröscher

Eine ungewöhnliche Meldung in einer Zeit ständig zunehmender Vertreibung, Dezimierung und Ausrottung wildlebender Tiere: In; westdeutschen Wäldern sind Marderhunde aufgetaucht. In der Umgebung von Osnabrück und in Bayern wurden sie jetzt zum erstenmal beobachtet.

Das etwa fuchsgroße, hundeartige Raubtier mit Waschbärenfell ist eigentlich im fernöstlichen Sibirien, in der Mandschurei, in China, Japan und Nord-Indochina heimisch. Die Sowjets siedelten. es jedoch seit 1948 in großer Zahl zwischen Wolga, Don und Dnjepr an, um einen wertvollen Pelzträger ins Land zu bekommen. Erst 1953 wurden wieder 7000 Marderhunde zu Europäern gemacht. Sie vermehrten sich so stark, daß Professor Günther Niethammer vom Zoologischen Forschungsinstitut Bonn vor über einem Jahr prophezeite, dieses Raubtier würde bald in der Bundesrepublik auftauchen. Der Zoologe hatte recht.

Tierische Ausländer können also sehr gut bei uns in Freiheit leben, und es hat zu allen Zeiten Menschen gegeben, die versucht haben, exotische Lebewesen in Europa einzubürgern. Hierüber berichtet Professor Niethammer in einem sowohl für den Fachmann als auch für den Laien interessanten Buch:

Günther Niethammer: "Die Einbürgerung von Säugetieren und Vögeln in Europa"; Paul Parey Verlag, Hamburg und Berlin; 319 S., 80 Abbildungen, 54,– DM.

Graf Martin von Schlieffen, "der als Soldat nach Afrika gelangte, brachte 1763 von dort eine Anzahl Magot-Affen mit, die er im Wald seines Rittergutes Windhausen bei Kassel frei herumlaufen ließ. In den mit Schutzhütten und Felsgrotten ausgestatteten Gelände hielten und vermehrten sich die Affen gut, sehr zum Verdruß des Gutspersonals, das unter ihrem Schabernack zu leiden hatte. So sollen sie einmal der Kasse des Grafen Geldstücke entnommen und in einer Dachrinne versteckt haben. Ein andermal riß der Affe ‚Troll‘ das drei Wochen alte Kind des Verwalters aus seinem Wagen und schleppte es unter den Augen des Personals unter den Giebel eines Neubaus. Dem französischen Koch gelang es unter Lebensgefahr, auf den Giebel zu steigen und den Affen mit überzuckerten Feigen von Stufe zu Stufe abwärts zu locken und so das Kind zu retten.

Andererseits waren die Magots sehr anhänglich ihrem Herrn gegenüber und begleiteten Graf von Schlieffen, wenn er nach Kassel ritt, bis zur Gutsgrenze und warteten dort auf seine Rückkehr. Als aber der Pascha der Horde ein Mädchen, das einen Besuch auf dem Gut machte, anfiel, ihm die Haare ausriß und die Kleider zerfetzte, sah sich der Graf schweren Herzens genötigt, seine Lieblinge töten zu lassen".