Ob der neue Bergarbeiterführer seine Streikdrohung wahrmachen wird oder nicht, ist bis zur Stunde noch offen. Fest steht jedenfalls, daß Walter Arendt einen ganz harten Kurs steuert, als wollte er selbst die Stimmen Lügen strafen, die dem jungen Nachfolger Heinrich Gutermuths eine eher konziliante Amtsführung vorausrühmten.

Nach eigenen Berechnungen der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie bedeutet die Forderung der Bochumer Zentrale (eine neunprozentige Lohnerhöhung und eine Verdoppelung des Wohnungsgeldes auf zwei Mark je Schicht) für den westdeutschen Steinkohlenbergbau eine zusätzliche Belastung von rund 500 Millionen Mark. Daß die Zechen diese Summe nicht aufbringen können, weiß auch der Gewerkschaftsvorstand. Aber mit dem schlichten Argument, daß auch durch einen Lohnverzicht die Rentabilität im Bergbau nicht wiederhergestellt werden könne, fordert Arendt ganz eindeutig die öffentliche Subventionierung der Bergarbeiterlöhne.

Höchst peinlich ist es, daß diese Forderung noch nicht einmal unlogisch ist; denn nachdem der Bundeskanzler die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Kohleförderung als oberstes Ziel seiner Energiepolitik proklamiert hat, müßte er auch die lohnpolitischen Konsequenzen dieser Maxime anerkennen. Die neue Rechnung für die Bergarbeiterlöhne wird dann ebenfalls auf dem Sammelkonto "Wie teuer ist uns die Kohle" verbucht werden müssen. nmn