Der Übergang von der fast vierzigjährigen Wohnungszwangswirtschaft zu einem freien Wohnungsmarkt ist in Gefahr gestoppt zu werden. Vorerst handelt es sich lediglich um einen Kabinettsbeschluß, der die im Lücke-Plan festgelegte Übergangszeit um zwei Jahre verlängert. Nur die wenigen Städte und Kreise, die Ende nächsten Jahres noch ein statistisches Wohnungsdefizit aufweisen – ungefähr 20 von 560! – werden davon betroffen.

Minister Lücke, der zäh und geschickt eine sachlich richtige Entscheidung Schritt für Schritt verwirklichte, kann dicht vor dem Ziel leicht ins Stolpern geraten. War nicht das Zögern des Kabinetts, auch seinen konsequenten Vorschlag für eine begrenzte Mieterhöhung in den Städten und Kreisen mit einem Wohnungsdefizit zu akzeptieren, schon ein erstes Anzeichen? Die Absicht, die Bundeszuschüsse zum sozialen Wohnungsbau nicht weiter zu senken, widerspricht ebenso dem Konzept des Ministers. War es für ihn schließlich kein Zurückweichen, als er vor dem Bundestag erklärte, sachlich sei die Terminverschiebung unnötig; der Bund habe nur auf einen Wunsch der Länder Rücksicht nehmen wollen?

Am gleichen Tage, an dem das Kabinett den Lücke-Plan änderte, hat, so merkwürdig es zunächst klingen mag, der freie Wohnungsmarkt auch eine Chance erhalten. Die drei Bundestagsfraktionen setzen sich, um soziale Härten auszuschalten, für höhere Mietbeihilfen ein. Gibt es aber ausreichende Mietbeihilfen für einkommenschwache Kreise, fällt jeder berechtigte Einwand gegen einen freien Wohnungsmarkt weg. Ein solcher Markt hält auf die Dauer den Mietpreis zweifellos am niedrigsten. Und das ist doch sozial – oder? sim.