Um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts schufen Matthaeus Merian und seine Mitarbeiter die "Topographia Germaniae", Städtebilder, die in ihrer liebevollen Sachlichkeit und ruhigen Harmonie heute mehr Liebhaber finden denn je. Und das ist sicher nicht zuletzt auf die Veränderung der Städte selbst zurückzuführen. Jedoch zeigen gerade die Kupferstiche aus einem der neuerschienenen Merian-Bände ("Die schönsten Städte von Breslau bis Eisenach" – Aus den Topographien, mit einer Einleitung von Hugo Hartung; Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg; 49 Falttafeln, 28,– DM), wie wenig die Wucherungen und Zerstörungen späterer Zeiten dem ursprünglichen Stadtbild oft anhaben konnten. Ein Beispiel dafür ist Meißen, die nunmehr tausendjährige Stadt, die man, nach Merians Worten, nicht sieht, "bis man nahe heran kommt" Wenn es auch damals noch keine spitzen Domtürme aufzuweisen hatte, dafür aber eine Holzbrücke besaß, die "für ein großes Kunststück gehalten wird, so daß ... ihresgleichen nirgends zu finden ist", so entdeckt der Betrachter des zwanzigsten Jahrhunderts hier doch fast alles, was sich in dieser Stadt auch heute noch sehen lassen kann, verklärt durch den zeitlichen Abstand – von Sankt Afra, der Frauenkirche am Marktplatz, dem Franziskanerkloster, dem Tuchhaus und dem "Thumb" samt "Schloß der Herzoge zu Sachsen" bis hinunter zum Elbfluß. a. e.