Von Heinz Michaels

Sechs Monate lang hatten die Bürger der amerikanischen Stadt Oklahoma City einen gigantischen Wecker. Jeden Morgen pünktlich um 7 Uhr flog ein Flugzeug mit Überschallgeschwindigkeit über die Stadt und erzeugte einen Überschallknall, der alle Schläfer aus dem letzten Schlummer riß. Bis 1.20 Uhr mittags wiederholte sich das siebenmal jeden Tag. Folgt man dem vorläufigen offiziellen Bericht, so hat dies der Bevölkerung von Oklahoma City nicht viel ausgemacht.

Mit großem Aufwand hat die Federal Aviation Agency (FAA), eine amerikanische Luftfahrtbehörde, versucht, die Auswirkungen des Überschallknalls festzustellen. Dieser Knall, der bei jedem Flug mit Überschallgeschwindigkeit auftritt, erscheint bisher als das schwierigste Problem beim Bau eines Verkehrsflugzeugs, das schneller als der Schall fliegen, soll. Da dieses Flugzeug groß und schwer sein wird, erzeugt es naturgemäß einen stärkeren Knall als die kleinen Jagdflugzeuge, die heute hin und wieder mit Überschallgeschwindigkeit fliegen. Und außerdem käme der Knall regelmäßig wie der Flugplan.

Was aber ist eigentlich der Überschallknall? Beim Flug mit Geschwindigkeiten schneller als der Schall entsteht am Bug des Flugzeugs eine Druckwelle, die das menschliche Ohr als Knall registriert. Das Flugzeug schleppt sie mit sich wie das Schiff seine Bugwelle. Sie legt sich als Lärmschleppe über das überflogene Gebiet.

Da die Wissenschaftler kein Mittel kennen, die Schockwelle zu verhindern oder sie unschädlich zu machen, ist es für die Entwicklung eines Überschallverkehrsflugzeugs wichtig zu wissen, welche Wirkungen der Überschallknall auf Menschen und Häuser hat. Hatte doch der Rekordflug eines amerikanischen Bombenflugzeugs quer über den Kontinent hinweg zerbrochene Fensterscheiben und beschädigte Dächer beiderseits des Flugwegs hinterlassen.

Die FAA stopfte also vier Häuser in Oklahoma City mit Instrumenten voll, um Lautstärke und Luftdruckveränderungen zu messen, und ersann Vorrichtungen, die Vibration von Fensterscheiben und Mauerwerk festzustellen. In den Häusern befanden sich Gläser, Geschirr und sonstiger Hausrat. Fensterscheiben wurden angeknackt und Dachziegel gelockert, um dem Überschallknall die Arbeit zu erleichtern.

Doch in den vier FAA-Häusern geschah nichts, außer daß eines Nachts, als kein Flugzeug in der Luft war, zwei Spiegel von der Wand fielen. Auch in fünf weiteren Häusern, die in der zweiten Testhälfte zusätzlich beobachtet wurden, zeigten sich keine Schäden. Dagegen liefen 8355 Schadensmeldungen aus der Bevölkerung ein, von denen allerdings für die weitaus meisten keine handgreiflichen Unterlagen vorgelegt werden konnten. 2007 Fälle wurden offiziell untersucht, 1732 als unbegründet zurückgewiesen. In nur 163 Fällen zahlte die FAA bisher! insgesamt 8608 Dollar Schadensersatz.