Da der italienische Physiker Galileo Galilei 1642 gestorben ist, hat er gegen das Schauspiel "Leben des Galilei" des deutschen Stückeschreibers Bertolt Brecht nicht protestiert. Da jedoch der amerikanische Physiker J. Robert Oppenheimer glücklicherweise lebt, hat er natürlich gegen das Schauspiel "In der Sache J. Robert Oppenheimer" des deutschen Stückeschreibers Heinar Kipphardt Einspruch erhoben.

Natürlich? Ja, ich finde den Schritt des großen Gelehrten verständlich und natürlich. Warum?

Oppenheimer wirft Kipphardt "Improvisationen" vor, "die der Geschichte und der Natur der betroffenen Leute widersprechen". Dafür führt er drei Beispiele an.

Er beanstandet eine nicht zutreffende Behauptung über den Physiker Niels Bohr. Kipphardt antwortet, diese Behauptung sei in seinem Stück überhaupt nicht vorhanden; bei. der Erwähnung Bohrs handle es sich nur um "eine winzige Episode", die er – da er den ganzen Zusammenhang, auf den sie anspielt, nicht darstellen könne – streichen wolle. Das erste Beispiel betrifft also eine Marginalie.

Das zweite scheint mir wichtiger zu sein: Es stimme nicht, daß man Oppenheimer bei einem Verhör keine Gelegenheit zu einem Schlußwort gegeben habe. Dieser Vorwurf bezieht sich jedoch nicht auf Kipphardts Stück, sondern auf seinen im Programmheft gedruckten Artikel, in dem er das Verhältnis des Schauspiels zu den Dokumenten darlegt.

Schließlich erklärt Oppenheimer, er habe niemals seine "Beteiligung am Bau der Atombombe ... bedauert". Kipphardt antwortet, es gebe in dem Stück "keine Stelle", die derartiges behauptet.

Keines dieser drei Beispiele überzeugt mich. Daher glaube ich, daß es Oppenheimer nicht gelungen ist, seinen Protest zu belegen. Warum hat er dennoch – und mit Recht – protestiert?