Von Gottfried Sello

Wovon leben die deutschen Künstler? Woher kommt es, daß die Maler und Bildhauer, wenn auf einer Party sich das Gespräch dem Thema der Automarke zuwendet, nicht einfältig verstummen, sondern mit eigenen Erfahrungen, sei es auch nur auf dem Gebiet des Kleinwagens, das Ihre beisteuern können? Auch die Künstler sind heute weitgehend motorisiert, auch sie machen ihre Spanien- und Frankreichreise im eigenen Wagen, warum auch nicht, es wäre lächerlich, dem Maler zu mißgönnen, was jeder Zigarrenhändler und Fliesenleger sich leisten kann, ohne daß dabei auch nur ein potentieller produktiver Nutzen herausspränge.

Damit soll nicht gesagt werden, daß es den Künstlern, wenn man von ein paar Großverdienern absieht, die es in jeder Sparte gibt, besonders gut ginge. Aber wenn man sich an die katastrophale Situation der deutschen Künstler in den Jahren nach 1948 erinnert, dann läßt sich gar nicht bestreiten, daß sie in bescheidenem Maße am wirtschaftlichen Aufstieg partizipiert haben. Und das ist um so erstaunlicher, weil heute trotz ständig zunehmender Ausstellungen und einem üppig florierenden Kunstmarkt auch nicht viel mehr Bilder oder Plastiken gekauft werden als in den schlechten Jahren. Selbst prominente Künstler können von dem, was sie in Ausstellungen oder im Atelier verkaufen, nicht leben. Und der Kunsthandel ist für das Gros der Maler und Bildhauer ohnehin uninteressant, weil sie auf dem Markt nicht notiert werden.

Die Künstler leben nicht vom Verkauf, nicht vom Kunsthandel, nicht von gelegentlichen mäzenatischen Anwandlungen der Industrie, sondern von der Zwei-Prozent-Klausel. Überall wo in Deutschland öffentlich gebaut wird, fällt automatisch etwas für die Künstler ab. Ein Bruchteil der Bausumme ist, laut Gesetz, für künstlerischen Schmuck zu verwenden. Dabei bedeuten "zwei Prozent" nur das selten erreichte Maximum.

Jedes deutsche Land hat da seine eigenen Sätze und Tabellen, die erheblich voneinander abweichen. Die Berufsverbände der bildenden Künstler haben sich bisher erfolglos um eine einheitliche Regelung auf Bundesebene bei der ständigen Konferenz der Kultusminister bemüht, die dafür zuständig wäre, wenn nicht andere Stellen, vor allem die Baubehörden, auch mitzureden hätten. Folgende Regelung gilt beispielsweise in Rheinland-Pfalz:

"Für den künstlerischen Schmuck (künstlerische Ausgestaltung) öffentlicher Neubauten ist ein angemessener Betrag aus Baumitteln vorzusehen. Dabei handelt es sich um künstlerische Arbeiten, die mit dem Bauwerk bzw. den dazugehörigen Freiflächen fest verbunden sind oder aber mindestens als wesentliche und dauernde Bestandteile bestimmter repräsentativer Räume (zum Beispiel Gobelins in Schwurgerichtssälen) anzusehen sind. Tafelbilder oder nicht ortsfeste Plastiken fallen nicht darunter." Ich habe noch keinen Schwurgerichtssaal in Rheinland-Pfalz betreten und kenne die Gründe des Gesetzgebers nicht, aus denen er gerade für diese Räume Gobelins als angemessen erachtet.

"Die Höhe der hierfür aufzuwendenden Mittel" – fährt der rhein-pfälzische Erlaß fort – "die sich nach der reinen Bausumme (Gesamtbaukosten ohne Grundstückserwerb) richtet, ist aus nachstehender Tabelle zu ermitteln: