Der chinesische Marschall Tschen Ji und der sowjetische Vertreter Ignatow standen hinter Prinz Sihanouk von Kambodscha, als er am Unabhängigkeitstag seine bisher heftigste Rede gegen die Amerikaner hielt. Er rief die kommunistischen Kräfte in Laos, Nord- und Südvietnam zu Hilfe gegen die USA, die angeblich die Grenzen seines Landes bedrohen, und drohte sogar, ein kommunistisches Regime einzuführen falls er damit die Ehre Kambodschas retten könne. Zwei Stunden lang ließ der Prinz seine Truppen, mit französischen, chinesischen und sowjetischen Waffen an der Ehrentribüne vorbeiziehen.

Allen seinen Drohungen zum Trotz will Sihanouk jedoch kein Satellit des Ostblocks werden. Er rechnet freilich mit einem Sieg der Vietcong in Südvietnam. Darum – so meinen westliche Beobachter – rückt er sich schon jetzt bei den Kommunisten in ein gutes Licht, um sich eine neutrale Existenz im Schatten der chinesischen Großmacht zu bewahren. Ein Gegengewicht sucht Kambodscha in der Freundschaft mit Frankreich. Gegenwärtig leben dort 6000 Franzosen, unter ihnen 350 Professoren und eine 200 Mann starke Militärmission.