Von Rosemarie Winter

In der Halle 3 ist der Teufel los. Um ein Haar wäre von der Transmission ein Treibriemen abgesprungen. Der Meister wirft dem Schuldigen einen Schraubenschlüssel ins Kreuz. Der Angegriffene zerschlägt dem Meister die Brille. Tumult bricht aus. Der Abteilungsleiter schickt Meister und Arbeiter zur Personalabteilung. Der Personalchef ist nicht imstande, die Lage zu klären. Der Betriebsrat beschließt, der Meister muß entlassen werden. Der Produktionsleiter protestiert. Es droht wilder Streik. Ein außenstehender Berater greift ein. Die Sache wird ohne Entlassung beigelegt.

Warum sah sich der Personalleiter außerstande, hier zu schlichten? War das seine Aufgabe? Was ist eigentlich ein Personalleiter?

Der Beruf des Personalleiters ist noch keine 15 Jahre alt. Ein Berufsbild für Mitarbeiter der Personalabteilung im Sinne der Berufsbilder der "Arbeitsstelle für betriebliche Berufsbilder" in Bonn gibt es nicht. Ebensowenig existiert eine Ausbildungsbestimmung für dieses Aufgabengebiet. Das trägt ihm manches Vorurteil und viele zwielichtige Unklarheiten ein. Die Arbeitsmarktlage und der Stand der modernen Produktion haben es aber von Jahr zu Jahr deutlicher gemacht: die betriebliche Personalarbeit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Leistungsfähigkeit eines jeden Unternehmens.

Der Studienkreis für sozialwirtschaftliche Betriebsformen, "der neue Betrieb", der seit Jahren personal- und sozialpolitische Seminare durchführt, hat festgestellt, daß nach modernen betriebswirtschaftlichen Erfahrungen die folgenden Aufgabenbereiche zu den Obliegenheiten eines Personalleiters gehören:

Beschaffung von Arbeitskräften, Sozialversicherungs-, Lohnsteuer- und Krankenkassenangelegenheiten, Personalakten, Anstellungs- und Entlassungsformalitäten, betriebliche Sozialmaßnahmen, Beratung der Unternehmensleitung, außerbetriebliche Beziehungen zu Behörden, Organisationen und Verbänden, der Ausbildungsplan, die Einrichtung und Verwirklichung eines Vorschlagswesens, die Arbeitsplatzbewertung, die Personalbeurteilung, die Führungskräfteschulung, die innerbetriebliche Information, die Mitwirkung bei Arbeits- und Arbeitsplatzgestaltung und die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat.

Um diesen vielseitigen Anforderungen gerecht zu werden, sollte die Position eines Personalleiters nach Meinung des "neuen betriebes" wie aber auch ausnahmslos aller Unternehmen, die sich einer besonders erfolgreichen Personalpolitik – in der Praxis rühmen dürfen, unmittelbar der Geschäftsleitung untergeordnet sein oder gar dazu gehören. Jeder Betrieb mit mehr als 500 Beschäftigten braucht einen Personalchef.