Zu Alexandre. Der hat früher mit Carita zusammen einen Salon gehabt, und dann haben sie sich getrennt. Er macht immer die Frisuren vor den Modeschauen. Er sitzt in der Faubourg St. Honoré, über der Ayer. Kannst du gar nicht verfehlen. Hariet Hubbard Ayer ist – neben Helena Rubinstein und Elizabeth Arden – eine der großen Herstellerinnen von Kosmetika.

Ich wurde bei Monsieur Edouard angemeldet, bekam gesagt, daß es lange dauern und ein Vermögen kosten werde, zwischen dreißig und fünfzig Francs, je nachdem, wie standhaft ich sein würde.

Die Dame bei der Harriet Hubbard Ayer – mittelalt, dick, köstlich zurechtgemacht – warf mir den feindselig musternden Blick zu, an den sich manche Frauen gewöhnt zu haben behaupten, und wies stumm zum Aufzug. Er war eng, golden, duftend und lautlos. Im ersten Stock schnurrte er auf, entließ mich auf Velours, gerade einer hohen Theke gegenüber.

Wieder eine ältere köstlich Zurechtgemachte und eine Junge. Ich nannte meinen Namen, die Junge zog eine Karteikarte heraus und begann so rasch zu sprechen, daß ich kein einziges Wort verstand.

Ich bekam einen säuberlich zusammengefalteten Kittel in shocking pink, zog mir in der Kabine den Pulli aus und den Kittel an, dann stieß die Junge einen Papageienschrei aus, deutete nach links, und dann sah ich den Salon: Frauen, Frauen, Frauen, in allen Posen der Langeweile und der Eleganz. Ich wurde an das Gemälde "Das Odaliskenbad" von Ingres erinnert, nur waren sie hier nicht nackt; ihre Uniform war shocking pink.

Durch einen Durchbruch sah man in den nächsten Raum – also zwei große Räume voller Frauen in Rosa: rosa Mäntel, rosa Frottierhandtücher (als Turbane auf den Köpfen), rosa Kissen für Mani- und Pediküre, rosa Schwämme, rosa Schüsseln, rosa Lockenwickel, rosa Haarnetze – und alles durch die Spiegelwände zu einer Unendlichkeit von Rosa gesteigert. Dazwischen feste schlanke Pinselstriche in Schwarz: die Monsieurs. Schwarzer Anzug, schwarze Haare, schwarze Krawatten, schwarze Schuhe. Weißes Hemd. Immer zu zweit. Ein Maestro und ein Assistent, der wie bei Operationen Nadel, Schere, Clip reicht. Mein Monsieur Edouard war – das wußte ich – der zweite am Fenster links.

Sein Assistent beugte sich gemessen zu ihm hinab und wisperte. Edouard, klein, zierlich, jung, drehte sich um und blieb eine Sekunde, den Kamm über dem Kopf seiner Kundin, vollkommen regungslos stehen und starrte mich aus runden Rosinenaugen an. Dann lächelte er ein neugieriges, verführerisches Lächeln, und irgendwer faßte mich am Ellenbogen und bugsierte mich zwischen tausend Beinen in Dior-Strümpfen und Jourdan- oder Chanel-Schuhen hindurch in den Waschsalon.