Was mag in Wenzel Jaksch gefahren sein? Seit der Sendung "Deutschlands Osten – Polens Westen" von Hansjakob Stehle im Hessischen Fernsehen vergeht keine Woche, ohne daß der Präsident des Bundes der Vertriebenen auf die Barrikaden steigt.

Zum Monatsbeginn behauptete Jaksch in einem offenen Brief schlankweg, Stehles "Festlegung auf den Standpunkt der kommunistischen Regierung Polens" sei notorisch, der Intendant Pastor Hess stehe "an der Seite der Todfeinde der Demokratie". Jetzt erkühnte er sich, Rundfunk und Fernsehen insgesamt vorzuwerfen, sie besorgten die Geschäfte der östlichen Diktaturen. Da in den Funkhäusern unter dem Mantel der Objektivität angeblich der "Wurm des Nihilismus" nage, forderte der Präsident ein Mitspracherecht der Vertriebenen in den Aufsichtsratsgremien der Anstalten. Und Wenzel Jaksch steht nicht allein: Die Vertriebenenverbände wollen gegen die das Deutsche Fernsehen "beherrschende Clique von Publizisten" ein Volksbegehren erzwingen und ihnen einen "Maulkorb" umhängen. Zur Zeit werden Unterschriften für dieses Unternehmen gesammelt.

Dahin ist die Hoffnung, daß sich die Vertriebenenfunktionäre inzwischen besonnen haben könnten, dahin auch die Erwartung, der SPD-Bundestagsabgeordnete Wenzel Jaksch werde nicht in das Horn der Radikalen stoßen, seine Parteifreunde würden es nicht zulassen, daß er sich wie ein ewiger Querulant gebärde. Ein Seebohm, so sollte man meinen, genüge eigentlich vollauf. Noch einen unbeherrschten Sonntagsredner braucht es wahrhaftig nicht.

Wer vermag Jaksch schon zu glauben, er müsse sich gegenüber den "Radikalinskis" in den eigenen Reihen behaupten, die ihm sonst das Wasser abgrüben? Wer auch kann der Ansicht Herbert Wehners und Fritz Erlers zustimmen, Seebohm und Jaksch unterschieden sich immerhin durch die "Wortwahl"?

Mit Wenzel Jaksch ist hierzulande und erst recht im Ausland wenig Staat zu machen. Das sollten auch die Sozialdemokraten einsehen. Wenn nicht er selber, dann sollten sie zumindest nach seinem Frontalangriff auf die Meinungsfreiheit erkennen, wer es ist, der das "Geschäft der Diktaturen" besorgt. D. St.