Die Tatsache, daß die offiziöse Katholische Nachrichtenagentur sich von ihrem Redaktionsmitglied Dr. Heinz Kornetzki trennte, und die Art und Weise, wie dies geschah, hat unlängst einiges Aufsehen erregt. Hier eine Darstellung des Falles, geschrieben vom Betroffenen selbst.

München

Zu den einflußreichen kirchlichen Kreisen in Bayern gehört der 58jährige Prälat Anton Maier in München, politischer Referent und Pressechef des Kardinals Döpfner. In seinem Büro in der Maxburgstraße spürt man keinen Hauch von jenem Geist des Konzils, der den Dialog mit allen politischen und religiösen Kräften wachrufen will. Der Prälat, der als Mitglied der CSU ein Freund von Franz Josef Strauß ist, geriet jedesmal in Zorn, wenn die Katholische Nachrichtenagentur etwas Kritisches über den Exminister veröffentlichte.

Ich war verantwortlicher Redakteur des Münchner Büros der KNA und erfuhr ohne sonderliche Mühe, daß Prälat Maier "Material sammelte". Eines Tages, als ich in seinem Büro vorsprach, wurde er deutlich. Er sagte offen, daß er für meine Entlassung sorgen wolle. Ich hätte eine Meldung veröffentlicht, daß sich Kardinal Döpfner kritisch über die christlichen Parteien geäußert habe. Dies war bei einer Predigt im Münchner Dom geschehen. Maier nahm mir übel, daß ich diese Passage der Predigt an den Schluß des Berichts gesetzt hatte, nachdem zunächst von Vorbehalten des Erzbischofs gegenüber der Sozialdemokratie die Rede gewesen war. Der Kommentar des Prälaten lautete: "Sie betreiben eine psychologisch raffinierte SPD-Politik!"

In ähnliche Schwierigkeiten war ich geraten, als ich den Wortlaut der Rede des Eichstätter Oberbürgermeisters Hutter vor der CSU-Landesversammlung am 6. Juli 1963 veröffentlichte. Hutter war als Sprecher der "Katholischen Aktion" aufgetreten und hatte offen die Delegierten vor einer Wiederwahl von Strauß gewarnt. In die KNA-Dokumentation hatte ich auch die Beschimpfungen gegen Hutter aufgenommen, die von Strauß-Anhängern in den Saal gebrüllt worden waren: "Du Lump, du Hund, du scheinheiliger Pharisäer! Dir zahlen wir’s noch heim!" Maiers Vorwurf gegen mich hieß damals: "Mit solchen Berichten machen Sie die CSU kaputt!" Auf meine Entgegnung, solche Vorgänge könnten doch von der KNA nicht verschwiegen werden, sagte Maier: "Wenn sich ein Priester sexuell vergeht, meldet das die KNA ja auch nicht."

Jedenfalls machte Prälat Maier keinen Hehl daraus, daß die offiziöse Nachrichtenagentur der Kirche (die deutschen Bischöfe kontrollieren 75 Prozent der GmbH-Anteile) CDU/CSU-Politik zu vertreten habe. Als ich über die Stellungnahme der bayerischen SPD zu einer Grundsatzrede des Kardinals Döpfner berichten wollte, in der Münchens Erzbischof über das Verhältnis zwischen Kirche und demokratischem Sozialismus gesprochen hatte, sagte mir Maier telephonisch, als ich ihn um seine Meinung fragte: "Sie können das ruhig melden – merken Sie sich aber gut: Was Sie tun, wird wichtigen Aufschluß darüber geben, wie ich Sie beurteilen werde."

Übrigens war nicht ich allein die Zielscheibe seiner Angriffe. Als der junge Direktor der Katholischen Akademie" in Bayern, Monsignore Dr. Karl Forster, der konsequenteste Strauß-Gegner im bayerischen Klerus, einmal den Sozialdemokraten Herbert Wehner als Referenten eingeladen hatte, hieß es: "Forster macht Wehner, den ehemaligen Moskau-Kommunisten, für die Katholiken akademiefähig." Nachdem Forster schließlich mehrmals öffentlich seine Meinung über Strauß und das Verhältnis zwischen Kirche und Parteien gesagt hatte, wurde er gar als "klerikaler Manager im SPD-Schatten" tituliert. Forsters politischer Einfluß ist in dem Maße schwächer geworden, in dem Maier mehr und mehr in Aktion trat. Der eine – Forster – will die Kirche in Distanz wissen gegenüber bestimmten Parteien, er befürwortet den Dialog mit allen politischen Kräften. Der andere – Maier – tritt für die Traditionsunion Kirche-Christliche Partei ein. Will Kardinal Döpfner beiden Seiten Zugeständnisse machen? Die vom Kardinal geforderte "Umstellung" der KNA-Berichterstattung in München, meine Verabschiedung und die Besetzung des Münchner KNA-Büros mit einem neuen Leiter legt allerdings die Vermutung nahe, daß die offizielle Kirche in Bayern mehr Wert auf die Politik des Prälaten als des Monsignore legt.