Bundesregierung und Wirtschaft bemühen sich eifrig, dem Nachwuchsmangel für staatspolitisch besonders wichtige Berufe, wie gerade Lehrer, Ingenieure und Techniker, abzuhelfen. Die bisherigen Erfolge sind leider mager. Ein wesentliches Hindernis für die erstrebten Ziele bildet das geltende Steuerrecht. Jugendlichen, die für ihre Berufsausbildung selbst sorgen müssen. genießen wenig oder gar keine Steuervergünstigungen, wie sie jedoch den Eltern gewährt werden, die für die Ausbildung ihrer Kinder aufkommen können. Für sparfreudige Jugendliche, die ihre Berufsausbildung aus eigenen Ersparnissen bestreiten, bieten die geltenden Steuergesetze keine Vergünstigungen. Diese Ungerechtigkeit hat der Gesetzgeber erkannt. Er hat daher mit einem Initiativantrag vom 19. 6. 1963 versucht, diesen Mißständen abzuhelfen.

Mit der Bundestags-Drucksache IV/1347 wird eine Änderung des Einkommensteuergesetzes (EStG) dahin gefordert, daß dem § 9 EStG über Werbungskosten eine neue Ziffer 7 angefügt wird, aus der sich eine steuerliche Absetzbarkeit der Ersparnisse für Ausbildungskosten ergibt. Der erweiterte § 9 EStG würde dann lauten: Werbungskosten sind auch...

"7. bei Einkünften aus selbständiger und nichtselbständiger Arbeit die Aufwendungen, die der Steuerpflichtige für die Aus bildung zur Erwerbung seiner Einnahmen in den letzten fünf Jahren vor dem Einzug der Einnahmen gemacht hat."

Diese wenig glückliche und nicht leicht verständliche Formulierung laßt sich klarer gestalten. Sie bedeutet immerhin, daß strebsame und sparsame Jugendliche die Aufwendungen für ihre Berufsausbildung später im Erwerbsleben als Werbungskosten steuerlich absetzen können, und zwar für die Zeit von fünf Jahren vor dem Berufsbeginn mit eigenem Verdienst. Das ist eine beträchtliche Erleichterung für die Jugend, die sich den Lebensweg selbst bahnen oder auch den Eltern helfen will, die Ausbildungskosten für den Beruf zu mindern. Es ist aber auch für alle jungen Menschen, die sich fortbilden und im Beruf weiterkommen wollen, eine große Hilfe. Beispiele aus der Praxis verdeutlichen das.

Ein junges Mädchen spart schon während der Schulzeit, um ihre Ausbildung als Lehrerin bezahlen zu können. Nach dem Abitur arbeitet sie noch zwei Jahre als Angestellte, spart weiterhin fleißig, muß aber den Verdienst versteuern. Sie kann nichts von der Steuer absetzen, um die Ersparnisse steuervergünstigt für ihre spätere Ausbildung zu verwenden.

Ein Ingenieur spart von seinem Gehalt seit 1961 den Betrag von 10 000 Mark, um seine Fortbildungskosten zum Diplomingenieur sicherzustellen. In den Jahren 1964 und 1965 hat er keine Erwerbstätigkeit und keinen Verdienst, um sich voll dem Studium widmen zu können. Er hat weder in den Erwerbsjahren 1961–1963 noch in den Studienjahren 1964–1965, noch in den weiteren Erwerbsjahren ab 1966 irgendwelche Möglichkeiten, die als steuerabzugsfähig anerkannten Fortbildungskosten von der Steuer ganz oder teilweise abzusetzen.

Ein Werkstudent finanziert sein Studium aus seiner Erwerbstätigkeit als Lohnempfänger. Die Kosten für die erstmalige Berufsausbildung darf er von der Lohnsteuer nicht absetzen, weil die Ausbildung für einen Beruf zur privaten Lebensführung zählt.