Wenn alle Maschinen auf einmal verrichtet wurden – die Gattung Mensch würde in sechs Wochen zugrunde gehen. Die Seele des Menschen ist den Maschinen hörig geworden. Er denkt, wie er denkt, er fühlt, wie er fühlt, weil die Maschinen so auf ihn einwirken. Ihre Existenz ist genauso eine Vorbedingung für die seine, wie umgekehrt. Diese Tatsache verbietet die völlige Abschaffung der Maschinen. Aber sollten wir nicht zumindest so viele wie möglich vernichten, damit sie uns nicht immer mehr beherrschen? Die Maschinen nützen es aus, daß der Mensch seine materiellen Interessen seinen geistigen vorzieht. Die Maschinen selbst sind zwar unfähig zum biologischen Entwicklungskampf, aber sie bedienen sich der Menschen zu diesem Zweck. Sobald er nicht sein Bestes tut, die Maschinen zu verbessern, wird er von der Konkurrenz überholt. Schaffen wir nicht auf diese Weise unsere Nachfolger in der Beherrschung der Erde? Kein Tag vergeht, ohne daß wir die Maschinen schöner und feiner machen, ihr Geschick größer und größer, ihnen mehr und mehr von jener Macht geben, die sich selbst regelt, die von selbst handelt – und die besser sein wird als irgendein menschlicher Intellekt.

Mancher wird erkannt haben, wo diese Gedanken herkommen – und wozu sie führten: zu dem langen und furchtbaren Bürgerkrieg der Maschinisten gegen die Antimaschinisten, der mit dem Sieg der Antimaschinisten und der Vernichtung aller Maschinen endete, "die in den letzten 271 Jahren erfunden wurden". So geschehen in dem Lande Erewhon – oder, um ihm seinen deutschen Namen zu geben, Owdnegrin. (Erewhon ist eine Umkehrung von "nowhere".)

Als Samuel Butler dies schrieb – vor fast genau hundert Jahren – war der Glaube an Fortschritt so große Mode, daß man eine visionäre Phantasie brauchte, um zu begreifen, daß es sich zwar um Fortschritt handelte, aber nur um den Fortschritt der Maschinen. Für Butler war es ein biologischer Prozeß im Sinne Darwins: Von der Gewalt der Natur, seiner eigenen nämlich, verführt, arbeitete der Mensch hingeeben daran, seinen Nachfolger zu vervollkommnen.

Wem klingt das Märchen heute noch gar so märchenhaft? Bezeichnenderweise gerade denen, welche die eigentlichsten Werkzeuge dieses biologischen Prozesses sind: den Physikern, den Technikern. Sie sind so gut wie unberührt von der Malaise der großen Mehrheit.

Jeder Verleger weiß, daß kein Schriftsteller heute diese anonyme, technische Welt der Datenverarbeitung schöpferisch bewältigt. Dichter, Musiker, Maler leben in nackter oder krampfhaft verdrängter Angst vor einer vielleicht nahe bevorstehenden Zeit, da die Kunst, nach so vielen "letzten Schreien", ausgeschrien, ausgeröchelt haben wird. Aber Naturwissenschaftlern kann man kaum begreiflich machen, was es mit solchem Gruseln auf sich hat. Ach, sagen sie, es geht den Menschen viel besser als früher, und all das Gerede von Angst, von Panik ist bloßer Journalismus; Künstler ergehen sich in solchen Phantastereien, weil sie rachsüchtig empfinden, daß die großen schöpferischen Leistungen heute in den exakten Wissenschaften vollbracht werden. "Wir lesen Romane, wir gehen in Konzerte, wir bemühen uns, moderne Kunst zu begreifen – aber wann fällt es einem Geisteswissenschaftler oder einem Künstler ein, sich ebenso anzustrengen, um unsere Arbeit zu verstehen?"

Vielleicht ist es wirklich so einfach. Vielleicht sind es wirklich keine Geheimwissenschaften, nur Geistern besonderer Art begreiflich. Vielleicht könnte die große Mehrheit, die sich heute von dem Mysterium so völlig ausgeschlossen fühlt, durch eine andere Erziehung wirklich dazu gebracht werden, Formeln so zu genießen wie einst Lieder. Damit wäre viel getan. Nur das Entscheidende wäre noch nicht getan: uns nämlich zu lehren, wie wir politisch, organisatorisch, sozial, ethisch mit einer Umwelt fertig werden sollen, die sich stündlich so verändert, wie sie es vordem in Jahrtausenden nicht getan hat. Mehr als die Hälfte aller menschlichen Erfindungen wurde in den letzten dreißig Jahren gemacht.

Naturwissenschaftler machen sich keine solchen Sorgen, oder doch viel seltener. Vielleicht liegt es daran, daß sie intensiver in ihrer eigenen Welt leben als in der des Alltags. Man spricht mit einem Physiker, und er sagt so nebenbei: "Amerika ist heute nicht so wichtig – die Sowjetunion schon eher, natürlich wegen dem Genie von Landau ... und Kopenhagen – Kopenhagen ist die wichtigste Stadt."