Von W. J. Helbich

Martin Luther King: "Warum wir nicht warten können", aus dem Amerikanischen von Hans Lamm; Econ-Verlag, Düsseldorf; 235 S., 15 Abb., 14,80 DM.

Martin Luther King hat den Friedensnobelpreis erhalten, nicht den für Literatur. Daß er Pfarrer und kein Dichter, ein politischer Führer und kein profunder Denker ist, sollte man bei der Beurteilung seines letzten Buches im Auge behalten.

So läßt sich der nicht nur in der Übersetzung störend pathetischen und allzu bilderreichen Sprache gegenüber Toleranz üben, und man kommt nicht in Versuchung, an den engagierten Rechenschaftsbericht eines Praktikers falsche Maßstäbe zu legen.

Die Schilderung der "Revolution der Neger" des Jahres 1963, vor allem der von ihm geleiteten Kampagne in Birmingham, Alabama, macht den Hauptteil seines Buches aus. Vorangestellt ist dieser Darstellung der Versuch einer Erklärung, warum es zu dieser Erhebung gerade zu diesem Zeitpunkt kam, und eine Verteidigung der besonders von King in Amerika propagierten Methode der Gewaltlosigkeit. Im letzten Kapitel zeichnet er die Umrisse eines Programmes für die nächsten Schritte zur Integration der farbigen Bürger in die amerikanische Gesellschaft.

Es gibt viele Analysen und Interpretationen der amerikanischen Rassenfrage und der Ereignisse des Jahres 1963, die tiefer schürfen und subtilere Einsichten, vermitteln. Kein noch so brillanter Theoretiker kann jedoch dieses Dokument des Selbstverständnisses eines Mannes ersetzen, der in den letzten zehn Jahren zur Schlüsselfigur der Bemühungen des farbigen Amerikaners um die Gleichberechtigung wurde.

Man braucht sich nicht lange aufzuhalten mit zwei Punkten, denen King ausführliche Beachtung schenkt: der Notwendigkeit einer Massenbewegung und der Notwendigkeit einer gewaltlosen Methode. Die eine war mit dem deprimierend langsamen Fortschreiten der Integration durch Gerichtsentscheidungen, die andere durch die Minderheitssituation gegeben, in der Terrorakte nur ein Blutbad und eine Verhärtung der ohnehin übermächtigen Opposition zur Folge gehabt hätten.