Da hat ein Verlag entzückt entdeckt, daß ein ohnehin bekannter Autor ein Kinderbuch geschrieben hat, und nach dem verhängnisvollen Prinzip: Name gut, alles gut! ist die Sache übersetzt worden –

Upton Sinclair: "Das Gnomobil", aus dem Amerikanischen von Liselotte Julius; Scherz Verlag, Bern und München; 182 S., 7,80 DM.

Der Titel ist witzig, der Schutzumschlag modern, und das Thema scheint es auch zu sein, weil man ein Auto und Reifen zu sehen bekommt. Wer das Buch aufschlägt, liest auf dem Waschzettel, daß Herr Disney schon die Verfilmungsrechte für diese "reizende und humorvolle Geschichte" erworben hat.

Und trotzdem ist das Buch so schlecht, wie es vornehmlich gutgemeinte Bücher gern sind. Es ist sentimental, es ist mild verlogen, es ist ohne viel Zu-Ende-denken-Wollen im Dunst des Gefühls erblüht, und weil alle Personen Anliegen haben, reden Zwerge und Menschen gleich unerträglich geschwollen und weit verbessernd vor sich hin.

Das passiert: Ein Mädchen entdeckt in einem kalifornischen Wald einen Zwerg, der samt Großvater zum Aussterben verdammt ist und die Menschen haßt, weil sie die Wälder und damit den Lebensraum der Zwerge zerstören. Mädchen und jugendlicher Onkel retten die Zwerge natürlich in wirklich hollywoodreifer Flucht vor Reportern, von Wald zu Wald, bis (nach einem Zwischenspiel im Zirkus) der Alte stirbt und der Junge noch eine Siedlung mit Seinesgleichen unter der Erde entdeckt und sich mit der Zwergenkönigstochter verlobt.

Die Grundeinstellung des Autors ist rührseliger Zivilisationshaß. Bäume haben Seelen, erringen "mächtige Siege", sind tapfer, stark und gelassen. Farne haben "den Geist einer Frau, sanft, bescheiden, demütig". Bäume sind überhaupt besser als Menschen: "Kein Baum würde es sich je einfallen lassen, eine scharf An zu erfinden und damit etwas zu zerstören. Ein Baum baut auf."

Nun kann man natürlich darüber streiten, ob die Welt besser geworden wäre, wenn der Mensch sich als Baum und nicht als Eisenerfinder entwickelt hätte. Es ist jedoch ziemlich sinnlos, diese ein paar Jahrtausende alte Tatsache zu bejammern – erst recht in einem Buch für Kinder, die die Welt erst einmal kennen und verstehen lernen sollen, ehe sie sie kritisieren.