Die Abenteuer in diesem Buch sind so aufzufassen, als hätten sie sich während eines der drei Besuche von Mary Poppins bei der Familie Banks zugetragen. Dies soll eine Warnung sein für alle, die etwa einen vierten Besuch erwarten. Mary Poppins kann nicht ewig kommen und gehen. Außerdem ist zu bedenken, daß die Drei eine Glückszahl ist." Das schrieb die englische Schriftstellerin P. L. Travers leicht verzweifelt im Vorwort zum vierten Band der Mary-Poppins-Geschichten. Es ging ihr wie vor und nach ihr vielen anderen Autoren: Den Geist, den sie gerufen hatte, wurde sie nicht mehr los. Ihr Aufruf zum Konsumverzicht blieb jedoch angehört. Immer wieder verlangten Leser jeglichen Alters neue Geschichten über das liebenswertunwirsche Kindermädchen Mary mit der Plüschreisetasche und dem papageienköpfigen Regenschirm, das nach frischem Toast (man befindet sich in England) und gestärkter Schürze riecht. Ob sie vom Westwind herbeigeblasen wird oder einem Feuerwerkskörper entspringt, ihr Erscheinen und Verschwinden untersteht geheimnisvollen Gesetzen, die ihre Schutzbefohlenen, die Banks-Kinder, nicht zu ergründen wagen – aus Furcht vor Marys verächtlichem Aufschnupfen und ihrem eiskalten Blick.

"Es gibt im Wörterbuch nicht genug Wörter für die Dinge, die einer Mary Poppins zustoßen", resignieren die Kinder, P. L. Travers, die eigentlich schon den vierten Band zum letzten machen wollte, ist da anderer Meinung und gab nun einen fünften heraus:

P. L. Travers: "Mary Pippins von A – Z", aus dem Englischen von Sybil Gräfin Schönfeldt; Cecilie Dressler Verlag, Berlin; 76 S., 7,80 DM.

Der Titel ist wörtlich zu nehmen. P. L. Travers fand im Wörterbuch doch genug Wörter, um daraus 28 höchst vergnügliche und verrückte Geschichten um die Familie Banks, Mary Poppins und ihre Freunde zu basteln (die wiederum so aufzufassen sind, als hätten sie sich während eines früheren Besuches von Mary ereignet). Jedem Buchstaben des Alphabets ist eine gewidmet. Das hört sich bei T zum Beispiel so an: "Mister Banks trabt wie ein Tornado tobend über Treppen und durch Türen. "Warum ist meine Tabaksdose mit Toffees tapeziert? Und wer hat meine Tartan-Krawatte um eine Scheibe Toast getüddelt?‘ Niemand kann ihm die trüben Tatbestände erklären. Nichts tut sich an diesem Tage wie tagtäglich. Trauben in der Teekanne und die Teekanne auf der Terrasse. Taschentücher in der Terrine. Die Tomaten schmecken tatsächlich nach Teer." Die erste Geschichte enthält der Ordnung halber Wörter mit allen Buchstaben von A bis Z, die letzte mit allen von Z bis A.

Die Lektüre aller 28 lustigen und liebenswerten, nie langatmigen oder langweiligen Kapitel macht Laune und läßt den Leser zwar nicht laut lachen, aber leise lächeln. Ein Lob der liebevollen Übersetzung, sie ist logisch überlegt und, besonders in Anbetracht der komplizierten Buchstabenverhältnisse, eine Leistung. Leider kein Labsal für die Augen der Leser sind die lebhaft leuchtend roten Anfangslettern der Wörter mit gleichen Buchstaben.

Im Gegensatz zu den übrigen Poppins-Bänden hat dieser also keine fortlaufende Handlung, die Geschichten können einzeln gelesen werden. Trotzdem sind sie für das erste Lesealter wegen der Buchstabenspielerei noch nicht geeignet, Spaß machen sie erst Kindern ab neun Jahren.

Die Zeichnungen von Horst Lemke sind nicht wie in den anderen Bänden ein- sondern zweifarbig, das hat ihnen jedoch eher geschadet als genützt. Sie wirken zum Teil sehr unruhig. Einige sind jedoch wieder unübertrefflich.