Die unveränderte Dividende von zehn Prozent bezeichnet der Vorstand der Klöckner-Werke AG, Duisburg, als "nicht schlecht für das Geschäftsjahr 1963/64". Dennoch mag die Dividendennotiz von Klöckner bei vielen Aktionären eher enttäuschend gewirkt haben, zumal sich die höher hinausgehenden Erwartungen auch noch auf überaus günstige Nachrichten vom Verlauf der Stahlkonjunktur stützen konnten. Allerdings wurde dabei übersehen, daß das Geschäftsjahr des Klöckner-Konzerns – der als einziges Unternehmen der deutschen Montanindustrie zum 30. Juni bilanziert – noch überwiegend von den mageren Zeiten im Stahlgeschäft bestimmt war.

Die Klöckner-Gruppe, die alljährlich den Bilanzreigen der deutschen Montankonzerne anführt und deren Abschluß gerade darum immer von besonderem Interesse ist, kann in diesem Jahre nur sehr bedingt als Maßstab für die folgenden Stahlabschlüsse gelten. Denn durch den früheren Bilanztermin hat die Duisburger Gesellschaft in der Tat im zurückliegenden Geschäftsjahr, das noch zu dreiviertel in der gelegentlich sogar recht bedrohlichen Flaute lag, ein schlechtes Quartal mehr und ein besonders gutes weniger als die anderen Ruhrhütten. Den Ausgleich dafür wird das nächste Jahr bringen.

Wie ungleich die Lose in diesem einen Jahr verteilt waren, zeigt eine Analyse der am Ende des Berichtszeitraumes recht freundlichen Zuwachsraten des Duisburger Konzerns. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres – also im zweiten Halbjahr 1963 – steigerten die Klöcknerhütten ihre Walzstahlproduktion um 3,1 Prozent, mußten aber eine Umsatzminderung um 4,2 Prozent hinnehmen. Um 19,6 Prozent stieg dagegen die Walzstahlerzeugung und um 16,5 Prozent der Umstz in der ersten Hälfte dieses Jahres an. Auf das Jahr gerechnet ergeben sich daraus eine um 11,6 Prozent höhere Walzstahlproduktion und ein um 5,7 Prozent größerer Umsatz. Schon daraus geht hervor, daß das Jahresergebnis von gedrückten Erlösen beeinträchtigt war. Immerhin entfallen 78,6 Prozent des Umsatzes auf die Eisenseite des Konzerns.

Die bisherigen Monate im laufenden Geschäftsjahr berechtigen hingegen zu schönsten Hoffnungen. Zwar hat auch hier die Duisburger Verwaltung bereits ein "Aber..." in petto, jedoch sind die höheren Zuwachsraten beachtlich. An den neuen Produktionsrekorden der gesamten deutschen Eisen- und Stahlindustrie – die bisher höchste Rohstahlerzeugung des Boomjahres 1960 wird mit einer erwarteten Produktion von 36 Millionen Tonnen weit übertroffen werden – hat Klöckner seinen bedeutenden Anteil. Im Durchschnitt der Monate Juli bis Oktober hat im Klöckner-Bereich gegenüber dem Berichtsjahre die Roheisenproduktion um 20,1, die Rohstahlerzeugung um 12,3 und die Walzstahlproduktion um 8,9 Prozent zugenommen, während auch der Umsatz um 8,5 Prozent gewachsen ist.

Dennoch glaubt man in der Verwaltungszentrale des Duisburger Unternehmens nicht an eine Fortsetzung der ebenso verheißungsvoll wie überraschend auf Hochtouren gekommenen Stahlkonjunktur. Der Kulminationspunkt sei bereits wieder überschritten, faßte Vorstandsmitglied Hans-Jörg Sendler in einer Pressekonferenz seine Beurteilung des Stahlmarktes zusammen. Da Sendler, der gleichzeitig als Vorsitzer der Walzstahlvereinigung spricht, durchaus nicht zu den Pessimisten im Revier gehört, ist diese Aussage von besonderer Bedeutung. Auf dem Stahlmarkt der Bundesrepublik verschärfe sich in letzter Zeit der Preisdruck von Seiten italienischer, aber auch französischer Stahlerzeuger; es sei zu befürchten – so klagte der Klöckner-Vorstand –, daß das inzwischen erreichte einigermaßen stabile Preisniveau der Ruhrproduzenten wieder abbröckele. Dabei ließ Sendler auch durchblicken, daß die deutsche Stahlindustrie selbst in den letzten ausgesprochen guten Monaten in weiten Bereichen nicht wieder ihre Listenpreise erzielt hat.

Der Stahlboom des Jahrgangs 1964 folgt also recht eigenen Gesetzen. Ob er wirklich von so kurzer Dauer sein wird, bleibt indessen wohl noch abzuwarten. Nach Sendlers Auffassung aber müßte die Produktion der Hüttenwerke an Rhein und Ruhr schon jetzt drastisch gedrosselt werden, wenn sie nicht selbst die künftigen Marktchancen verschlechtern wollen ... Um wenigstens acht bis zehn Prozent müsse die Rohstahlerzeugung zurückgefahren werden, hieß es in Duisburg.

Im Berichtsjahre hatten die Klöckner-Hütten ihre Rohstahlerzeugung noch um 12 Prozent ausgeweitet; das ist ein erheblich höherer Zuwachs als ihn der Durchschnitt aller deutschen Werke erzielt hat. Nach der Thyssen-Gruppe und Krupp rangiert Klöckner nunmehr als dritter in der Rangliste der deutschen Rohstahlerzeuger. Dazu hat ganz kräftig die Hütte Bremen beigetragen, die im Berichtsjahre mit 1,12 Millionen Tonnen erstmalig die Millionengrenze überschritten hat. Der Flachstahlanteil am gesamten Klöckner-Walzprogramm ist diesmal auf 36,4 (Vorjahr 39,6) Prozent zurückgegangen; das liegt jedoch lediglich daran, daß die Profilstahlerzeugung noch stärker gestiegen ist als die Flachstahlproduktion. Der Umsatz der Hütte Bremen betrug 485 Millionen Mark. Demnach ist der Anteil der Bremer Produktion am gesamten Eisenumsatz der Gruppe mit 33 Prozent etwa gleichgeblieben.