E. H., München

Noch nie hatte das Maximilianeum den Mann so außer Fassung gesehen. Dr. Hans Ehard, seit 1946 Parlamentarier, acht Jahre lang Ministerpräsident und heute als 77jähriger CSU-Justizminister des Freistaates Bayern, galt sonst als Musterbeispiel unterkühlten Temperaments. Aber als der SPD-Abgeordnete Andreas Stenglein mit der Akribie seines Berufs als Rechnungsprüfer von den Gepflogenheiten höherer Justizbeamter beim Umgang mit Dienstwagen sprach, rief Ehard mit zornrotem Kopf: "Sie wollen wohl das Ansehen der Justiz ganz herunterziehen?" Dabei ging es im Haushaltsausschuß des Bayerischen Landtags nur um das Dienstauto für den Justizminister.

Die Opposition nahm Anstoß, daß statt des bisher benutzten Mercedes 220 S (Preis 13 750 Mark) ein Opel-"Diplomat" (17 500 Mark) angeschafft werden sollte. Ein Opel des Typs "Admiral" (12 200 Mark) mit 100 Pferdestärken täte es auch, hieß es bei der SPD. Der Justizminister brauche nicht mit 190 PS durchs Land brausen. Stolz wie ein Spanier, meinte Ehard, wenn der Landtag nicht wolle, werde er "nötigenfalls" eben mit seinem Mercedes (Fahrleistung 90 000 km) weiterfahren.

Aber der Justizminister bekam seinen "Diplomat". Die Mehrheit der Abgeordneten konnte sich dem Argument des Ausschußvorsitzenden, Hugo Fink (CSU), nicht verschließen, daß bei aller Sparsamkeit doch auch die Notwendigkeit der Repräsentation bedacht werden müsse.

In der Tat repräsentieren jetzt Innenminister und Justizminister mit der gleichen Typenmarke am Heck ihrer Dienstwagen. Und auch der Haussegen ist gerettet: Frau Ehard (Justiz) und Frau Junker (Inneres) können im gleichen Autotyp an der Münchner Oper vorfahren. Sie unterscheiden sich damit vorteilhaft von der Prominenz des Bundes. In Bonn hat der Bundeskanzler Dienstwagen über drei Liter Hubraum untersagt. Der Motor des "Diplomat" hat 4,6 Liter.