Fischart hat den Rabelais überschrecklich lustig in einen deutschen Model vergossen und ungefährlich obenhin, wie man den Grindigen laust, in unser Mutterlallen über- oder druntergesetzt; auch zu diesem Druck wieder auf den Amboß gebracht und dermaßen mit Pantadurstigen Mythologien oder Geheimnisdeutungen verposselt, verschmiedet und verdengelt, daß nichts ohne das Eisen Nisi dran mangelt". (Eine zahme Probe seines Berserkerstils, wenn auch nicht seiner Rechtschreibung.)

Das war kein behutsames Präludieren des Barock, sondern eine hundertfache Vorwegnahme des in Bildung erstickenden Wortschwalls, der dem Hochbarock stilistischer Selbstzweck war. Aber was, ein Jahrhundert später, die dichtenden Akademiker ihren ledernen Seelen abquälten, schäumte hier aus unerschöpflicher Lebenslust und wahrscheinlich auch Lebenskraft hervor. Dazu gehörte allerdings auch der widerwärtige Hang zur Zote und Unflätigkeit, aber schließlich läßt sich das auch dem modernen Gegenstück einer Schöpfung aus nichts als Worten nachsagen, dem "Finnegan" von James Joyce.

Um so erstaunlicher, daß Fischart eines der künstlerisch reinsten Werke des ungehobelten sechzehnten Jahrhunderts (in dessen letztem Jahrzehnt er starb) gedichtet hat, die Reimerzählung vom "Glückhaften Schiff", das einen Topf mit heißem Hirsebrei von Zürich nach Straßburg bringt.

Fischarts "Geschichtsklitterung" ist ein faszinierendes, wenngleich ein unmögliches Buch: Mehr als ein Kapitel läßt sich in einem Gang nicht verdauen, man kann darin nur blättern, das aber jahrelang. Aber man soll sie immer wieder anlesen, wäre es auch nur, um eine Handvoll sprachlicher Neuschöpfungen und verschollener Wortkostbarkeiten für unsere Umgangssprache zu retten, bevor sie im Publicity-Stil ihre Seele aushaucht.

Das 184 Seiten starke Glossar, das nicht genug zu loben ist, kann bei dieser Bergung die trefflichsten Dienste leisten. Dem Neudruck sind 32 von den wunderlichen Holzschnitten aus den "Songes drolatiques", einer Groteskenfolge von 1565, beigegeben (vor etwa vierzig Jahren auch bei Rentsch in Zürich erschienen), die abgründig komisch, obszön und gespentisch zwischen Hieronymus Bosch und Callot stehen und niemals überzeugend gedeutet worden sind.

Der sprachenkundige und wohlbelesene Amtmann Fischart fand lobende Worte für einen damals schon alten Roman, dessen, europäische Beliebtheit man sich heute nicht vorstellen und noch weniger erklären kann, den über zwanzig Bände langen und wie zweihundert langweiligen Heldenroman "Amadis", um dessen Ursprung drei Länder stritten, Frankreich, Spanien und Portugal.

"Süß und trüb" nennt Fischart die Geschichte von dem jungen Ritter und der holdseligen Tochter des Königs von Engelland, in der Liebe, Tapferkeit und Edelmut, aber auch die Erzählung kein Ende nehmen. Einst war sie in der Hand aller Gebildeten und Ungebildeten, "auch für die Jungen nützlich zu lesen, mit viel, angehexten guten Leeren" – angeschwärmt wie "Werther", nachgeahmt und fortgesetzt. Für Sammler (und Germanisten) ist sie nun wieder da: