"Gorkis Kindheit" (UdSSR; Verleih: Neue Filmkunst): Mark Donskoj, einer der berühmtesten russischen Regisseure der dreißiger Jahre, beschreibt im ersten Teil der Gorki-Trilogie (1938–1940), die auf den autobiographischen Romanen Maxim Gorkis beruht, seine Bewußtwerdung. Er erzählt die Geschichte des jungen Aleksej Maksimowitsch Peschkow (so hieß Gorkij ursprünglich), den das Erlebnis einer qualvollen Kindheit zum Widerstand gegen sein Schicksal anregt. Angehörige verschiedener Klassen wirken auf diesen Prozeß ein. Der Geiz des Großvaters, die erste schwere Züchtigung, die einfältigen Streiche der Onkel, der unbegreifliche Tod Wanjis, die Brandstiftung Michails treiben Aleksej in den Widerstand. Die Güte der Großmutter, ihr unendliches Gottvertrauen, ihr Reichtum an Narrheiten, Possen und seltsam makabren Geschichten erstaunen und verwirren ihn gleichermaßen.

Das erste intellektuelle Erlebnis begegnet ihm in der Freundschaft mit dem Chemiker, einem Fremden unter der Bauernbevölkerung; er ist einer aus der großen Zahl der Bürgerlichen, die die Universitäten verließen zu einer "Wallfahrt ins Volk", um dieses für die sozialistische Revolution zu begeistern. Ihre Mission mußte jedoch erfolglos bleiben, solange die Bauern sich ihres menschenunwürdigen Loses noch gar nicht bewußt waren. Folgerichtig kündigt ihm der Großvater auch das Zimmer, und wir sehen ihn ein letztes Mal: auf dem Weg in ein sibirisches Straflager.

Die dritte Stufe zur Erkenntnis ist die Freundschaft mit einigen jungen aus der Vorstadt. Sie erwächst aus dem Gefühl einer Solidarität, deren Ziel die Freiheit ist, die sich hier sehr verhalten äußert.

Lieder wirken als retardierende Momente, durchbrechen das kontinuierliche Geschehen, dienen der Reflexion. Sie charakterisieren die Kollektive. Das Solidaritäts-Lied der Wolgaschiffer trägt einen anderen Charakter als das hoffnungsvolle, ironisch getönte und freiheitliche Kama-Lied. Jakows Lied kehrt stets dann wieder, wenn äußerlich das Leben zu erstarren droht. Die Verwendung dieser Lieder entspricht genau einem Diktum Brechts: Es ist ihre Aufgabe, lernend zu lehren. W. D.