Max Hagemann: Der provisorische Frieden; Eugen Rentsch Verlag, Zürich; 744 S., 55,– DM.

Der Verfasser, Zeitungsmann, Staatsrechtslehrer, Hochschullehrer und Staatsrechtler, verbindet auf das glücklichste wissenschaftlichen Forschungsdrang mit lebhafter Anteilnahme am Gegenwartsgeschehen. Er hat sich vorgenommen, deutlich zu machen, daß auch heute, in einem Zeitalter allgemeiner Bewegtheit und nach dem Verlust aller Ordnungen, immer noch eine bestimmte internationale Ordnung besteht. Sie ist – nach Hagemanns Meinung – nicht vollendet und abgeschlossen, aber der schärfere Blick sieht, daß sie sich bildet.

Hagemann. geht von dem Versuch der Sieger aus, nach 1945 eine neue internationale Ordnung zu begründen, wie sie am deutlichsten in dem Gebilde der Vereinten Nationen angestrebt worden ist. Er geht dann den einander zum Teil widerstreitenden, zum Teil sich ineinander verschlingenden Strömen nach, die das politische Geschehen der Welt seit dieser Zeit ausmachen. Er kommt zu dem Schluß, daß zwischen der Ordnung, die 1945 von den Friedensmachern entworfen wurde, und der tatsächlich gelebten Ordnung eine starke innere Verbindung besteht. Die Folgerichtigkeit dieser Entwicklung, so meint Hagemann, beruht auf innerer Notwendigkeit. Wer den internationalen Frieden sichern und festigen will, muß den Ordnungsentwurf von 1945 sichern und verwirklichen, zwar nicht in seinem äußeren, juristischen Kleid, aber nach der inneren, politischen Substanz.

G. G.