Was wünscht sich ein Unternehmer? Einen guten Absatzmarkt und gute Arbeitskräfte. Beides findet er in Nordirland." Das klang einfach und überzeugend, als es The Rt. Hon. Arthur Brian Deane Faulkner seines Zeichens Wirtschaftsminister von Nordirland in den leeren Hallen einer von seiner Regierung auf Vorrat errichteten Werksanlage verkündete.

Gar so simpel ist es wohl nicht. Dennoch tut sich etwas in Nordirland, von dem mancher gewiß nicht weiß, daß es eine eigene Regierung besitzt. Die Regierung versucht alles, um die Industrialisierung dieser sechs Kreise voranzutreiben, die Anfang der zwanziger Jahre entschieden für "Nein" plädierten, als auch ihnen wie dem südlichen Teil der grünen Insel die Gelegenheit geboten war, sich vom englischen Königreich loszusagen.

Das intensive Bemühen, vornehmlich die Arbeitslosenquote zu mindern, hat einen handfesten politischen Hintergrund. Nach wie vor spricht man in Eire offen davon, daß der unter britischer Hoheit verbliebene Rest der Insel mit seinen 1,44 Millionen Einwohnern sobald als möglich zur freien irischen Republik stoßen müsse.

Hohe Arbeitslosigkeit in Nordirland bedeutet steigende Unzufriedenheit, bedeutet Stärkung der für den "Anschluß" sich einsetzenden Nationalistenpartei, die bislang mit nur neun Abgeordneten in dem 52-Sitze-Parlament in hoffnungsloser Minderheit ist. Immerhin weist Nordirland bei 493 000 recht genügsamen Arbeitskräften (311 000 Männern) gegenwärtig eine Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent mit 28 560 Unbeschäftigten auf. Es ist die höchste Arbeitslosigkeit in Großbritannien (insgesamt 2,5 Prozent), denn selbst Wales mit 3,7 und Schottland mit 4,8 Prozent liegen spürbar darunter.

Das eifrige Streben, neue Industrien in jenem kleinen Land anzusiedeln, hat schon die ersten Früchte getragen. Vor sechs Jahren wurden noch über 43 600 Arbeitslose registriert, was einem Anteil von 9,3 Prozent entsprach.

In welchem Maß die Regierung in dieses "Geschäft" der Industrie-Expansion eingestiegen ist, zeigt sich daran, daß seit 1946 bis zum letzten die behördlichen Ausgaben für industrielle Entwicklung von 114 000 Pfund (1,25 Millionen Mark) auf knapp 12 Millionen Pfund (132 Millionen Mark) gestiegen sind. Sie werden im laufenden Fiskaljahr voraussichtlich noch einmal um 3 Millionen Pfund steigen

Die verantwortlichen Minister und Beamten in Belfast wissen, daß sie noch mehr Arbeit und Geld investieren müssen, um zusätzliche Industrie nach Nordirland zu ziehen. In den kommenden Jahren werden jeweils mit gut 33 000 Nachwuchskräften mehr als dreimal so viel in den Arbeitsprozeß drängen als alte Beschäftigte ausscheiden. "Sie haben Mangel an Arbeitskräften, wir einen Uberschuß, und es sind geschickte Menschen, denen die Industrie in den Knochen liegt", lockte Minister Faulkner, gemünzt auf die deutsche Industrie.