Ein neues Gerät mag dazu beigetragen haben, daß sich die GEMA, Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, München, anläßlich der Vorlage ihres 30. Geschäftsberichtes für 1963 einer größeren Publizität befleißigte. Seit nämlich mit Hilfe eines Bildaufzeichnungs-Gerätes nun auch Amateure ganze Fernsehsendungen zu Hause mitschneiden können, werden sich in wohl nicht allzu weiter Fernsehzeit für solche Bildschirmjäger die gleichen Probleme eröffnen, wie für die Tonband-Chasseure. Der Kreis, der nun von den Urheberrechtsproblemen berührt wird, hat sich erweitert: Alles was auf der Mattscheibe erscheint oder an der Sendung mitgewirkt hat, ist betroffen.

GEMA-Generaldirektor Dr. Erich Schulze wirbt um Verständnis für seine Ansicht, daß mit den von der Gesellschaft vertretenen Ansprüchen der Urheber nicht in die Privatsphäre des Bürgers eingedrungen werden solle. Eine Verlängerung des Urheber-Schutzrechtes von 50 auf mindestens 80 Jahre nach dem Tode hält er für unerläßlich. In seinen Augen sind Unterschiede in der Schutzbedürftigkeit von Sacheigentum und geistigem Eigentum nicht gerechtfertigt. Nach der heutigen Regelung, die wegen der längeren Lebenserwartung als überholt gilt, verdienen zwar nach Ablauf der 50 Jahre noch alle anderen Wirtschaftszweige an dem Werk des Urhebers weiter, der Autor selbst aber oder seine Rechtsnachfolger bleiben ausgeschlossen.

Und wie stellt sich die GEMA die Jagd auf die Tonband- und Bildschirmjäger vor? Die Regelung, die man für den Tonbändbereich plant, mag einen Hinweis geben. Hersteller des Tonbandgerätes und auch der Tonbänder sollen zu einem Vertragsabschluß aufgefordert werden, wobei an einem Satz von 7,5 Prozent des Verkaufswertes gedacht ist. Unter Hinweis auf die Vergütung von 8 Prozent für den Urheber von Schallplatten glaubt die GEMA, die Eigenproduktion könnte keine andere Regelung für sich beanspruchen. "Es geht ums Prinzip, nicht um die Höhe der Vergütung", meint Dr. Schulze. Nur wenn sie ein gesetzliches Monopol für die von ihr wahrgenommenen Verwertungsrechte erhält, will die GEMA mit sich reden lassen. Wenn nicht, will man notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht gehen. t. r.