Joachim G. Leithäuser (Herausgeber): Reportagen zur Weltgeschichte; Verlag Cotta, Stuttgart; 354 Seiten, 19,80 DM.

Stefan Zweig hat einmal einige "Sternstunden der Menschheit" geschildert, sicherlich nicht getreu historisch aber mit eindrucksvoller dichterischer Kraft. Vielen seiner Leser ist das geschichtliche Ereignis vermutlich allein auf Grund seiner Schilderung im Gedächtnis geblieben.

Joachim Leithäuser versucht, die großen historischen Ereignisse der Weltgeschichte in Form von Reportagen zu schildern, und zwar von der Schlacht von Salamis ein halbes Jahrtausend vor Christi Geburt bis zum Weltraumflug des russischen Piloten Gagarin. Ein Teil der Ereignisse wird durch Beteiligte geschildert – so etwa das Attentat von Serajewo durch einen der Attentäter – der Rest durch Fachkundige.

Der Herausgeber will auf diese Weise darlegen, "wie es wirklich war". Seine "Reportagen zur Weltgeschichte" sollen eine zugleich spannende und authentische Schilderung der wichtigen Weltereignisse sein. Aber bei aller Mühe, die sich der Herausgeber gegeben hat, enttäuscht das Buch. Einmal sind nur wenige der Berichte fesselnd. Vielfach paßt der Ausdruck "Reportage", der ja nach seinem heutigen Sprachgebrauch eine gewisse künstlerische Gestaltung voraussetzt, nicht auf sie. Zum anderen sind gerade persönlich Beteiligte häufig am wenigsten zu einer objektiven und authentischen Schilderung in der Lage. Und viele der "Reportagen" schließlich sind keine Berichte, sondern Betrachtungen.

Nur als ein Beispiel für viele: Die Marneschlacht, sicherlich eines der bedeutsamsten Geschehnisse des Ersten Weltkrieges, läßt Leithäuser durch einen Auszug von einer Buchseite Länge ins den Erinnerungen des russischen Botschafters Iswolski in Paris schildern. Dieser Darstellung fehlt naturgemäß nicht nur jede Unmittelbarkeit, sondern der Leser erhält außerdem keinen Begeht über die Ereignisse, sondern einen Kommentar. Es erscheint schließlich reichlich gewagt, ein so komplexes Geschehen wie gerade diese wichtige Schlacht auf 38 Zeilen abzuhandeln.

Ähnliche Fälle gibt es viele in diesem Buch. Hier ist daher nicht nur der Inhalt enttäuschend, sondern auch der Titel verfehlt. Peter Grubbe