Wenn wir neue Dokumente zu dem Fall, der mit Recht Aufsehen erregt hat, unter dem alten Titel veröffentlichen, so vor allem deswegen, weil es die Wahl Professor Mosers zum neuen Rektor der Universität Bonn war, die den Anstoß gegeben hat, der eine Lawine des Unbehagens ins Rollen brachte.

Der Fall Thomas Mann geriet da wie von selbst mit herein. Walter Boehlich hatte in seinem ersten Artikel, "Der neue Bonner Rektor" (DIE ZEIT Nr. 43 vom 23. 10. 64), darauf hingedeutet, und dreizehn Professoren der Universität Bonn waren in einer nachträglich vom Senat gebilligten Erklärung auch auf den Fall Thomas Mann eingegangen.

Ein genauer Vergleich dieser ersten Erklärung (abgedruckt in der ZEIT Nr. 45 vom 6. 11. 64) mit der zweiten, die wir heute abdrucken, ist lehrreich und muß jedem nahegelegt werden, der jenseits von Bekenntnissen und Intrigen, von Courage und Feigheit, von Verantwortung und Opportunismus der Wahrheit näher kommen möchte.

Was in Bonn vorgegangen sein muß, ehe aus der ersten Erklärung die zweite wurde: wir können es nicht sagen, da wir darüber nur vertrauliche Mitteilungen haben – uns also ein Veröffentlichungsrecht nicht zusteht und wir einen Wahrheitsbeweis nicht erbringen könnten.

So haben wir es von Anfang an gehalten: Vertrauen respektiert, auf Gerüchte nichts gegeben, nur das veröffentlicht, was als Dokument nachweisbar oder als Meinung deutlich gekennzeichnet war.

Wir möchten beinahe für uns in Anspruch nehmen, einen jener Schritte getan zu haben, die – nach der letzten Bonner Senatserklärung – geeignet sind, "die verwickelten Fragen klären zu helfen, die ihre (i. e. der Universität Bonn) Verantwortung und ihr Schicksal in den dunklen Jahren betreffen".

Falls der Senat wirklich jeden solchen Schritt "begrüßt" – und wir können nicht unterstellen, daß in einer so feierlichen Erklärung etwas gesagt wird, was nicht stimmt – so müssen wir ihm leider mitteilen, daß wir, ohne die diese Erklärung wohl schwerlich zustande gekommen wäre, von solcher "Begrüßung" noch wenig gespürt haben.