Konzentration wird gegenwärtig in Frankreich groß geschrieben; es vergeht nicht eine Woche, ohne daß verschiedene Firmen zusammengelegt werden oder enge Verbindungen miteinander eingehen. Dem französischem Parlament liegt ein Gesetzentwurf vor, der Fusionen und ähnliche Transaktionen steuerlich begünstigen soll. Dieser Entwurf ist ein Teil der großen Steuerreform, die im Frühjahr 1965 verkündet werden soll. Vor kurzem schlossen sich Denain-Anzin mit Les Forges du Nord et de l’Est, zwei wichtige Unternehmen der Stahlindustrie, zusammen. In diesen Tagen sind es mehrere Reedereien.

Die älteste französische Reederei, die Compagnie Fraissinet, eine Holding-Gesellschaft, hat ihre Mehrheitsbeteiligungen an zwei Schiffahrtsgesellschaften verkauft. Auch die Schiffe und Liniendienste einer weiteren Tochtergesellschaft haben den Besitzer gewechselt. Alle drei Unternehmen gingen in den Besitz der drittgrößten französischen Reederei,, der Compagnie Maritime des Chargeurs Remis über, die sich mit der Compagnie de Navigation Paquet zu einer neuen Gesellschaft zusammengeschlossen hat. Dieses neue, leistungsfähige Unternehmen, das unter den französischen Reedereien in der Passagierfahrt eine Spitzenstellung einnehmen wird, trägt den Namen "La Nouvelle Compagnie des Paquebots".

Diese wird in Zukunft die Fahrgastschiffe der Chargeurs Reunis gemeinsam mit denen der früheren Compagnie Fraissinet et Cyprien Fabre gemeinsam einsetzen. Die Mittel, die die an dieser Fusion beteiligten Unternehmen in die neue Gesellschaft einbringen, belaufen sich nach ersten Schätzungen auf mehr als 100 Millionen Francs.

Die Gründe für diese Konzentration in der französischen Schiffahrt sind vor allem in den Schwierigkeiten zu suchen, von denen die Reeder der ganzen Welt betroffen sind: Überkapazitäten und niedrige Frachtraten.

Zu den Schwierigkeiten kommen für die französischen Reeder noch besonders hohe Kosten auf sozialem und politischem Gebiet hinzu. Fachleute schätzen, daß ein französischer Reeder zu jeder Mark, die er als Heuer auszahlt, 75 Pfennige an Soziallasten hinzulegen muß – in anderen Ländern betragen die Soziallasten im Durchschnitt 40 Pfennig auf eine Mark Heuer.

Hinzu kommt, daß die politische Unabhängigkeit mehrerer afrikanischer Länder, besonders Marokkos und Tunesiens und neuerdings auch Algeriens, zu einer Einschränkung des Schiffahrtverkehrs mit diesen Ländern geführt hat.

So hat die Société générale de Transports Maritimes 1963 im Algeriendienst nur etwa 100 000 Passagen und 100 000 Tonnen Fracht gebucht gegenüber 272 800 Passagen und 134 000 Tonnen Fracht im Jahre 1962.