Funk

NORDDEUTSCHER RUNDFUNK

Sonntag, 15. November, das Hörspiel:

Ich hab’ was gegen alle – diese Beteuerung eines senilen Menschenfeindes in dem neuen Günter-Eich-Hörspiel „Man bittet zu läuten“ (Gemeinschaftsproduktion des Norddeutschen mit dem Bayerischen Rundfunk) trägt das Motiv des Stücks in sich.

An einem Taubstummenheim kann nur zum Grimm für den Pförtner geläutet werden. Der knurrt wie ein gestriegelter Höllenhund jeden an, der nach Zapfenstreich noch Einlaß begehrt. Mit ausgeklügelter Pervertiertheit (stand Eichmann Modell?) geht er mit erotischen, finanziellen und sonstigen Schalthebeln um, bosselt in der Phantasie an der Wiedereinführung der Guillotine und aalt sich – Exempel der Gespaltenheit – als Vorsitzender des „Vereins der Pilzfreunde e. V.“ in einem Sonnenbad unter dem Strahlenpilz (von Hiroshima).

Diesmal sind nicht „Botschaften des Regens“, sondern „der Pilze“ Eichs Chiffren für leeren Funktionalismus (in der Vereinsgroteske), für ins Skurrile verschobene Erinnerungen (in dem makabren Quartett der uralten Pilzfeinde, mit eingeblendeten Barockchorälen) und für das Duo der Pilzsporen mit seiner entzückenden Prägnanz kreatürlicher Spiegelungen.