Ein etwas ungewöhnliches Diplomatengepäck transportierten zwei ägyptische Konsularbeamte vorige Woche zum Flughafen Rom. Aus einem Kleiderkoffer, den sie an Bord eines Kursflugzeuges nach Kairo schieben wollten, drangen seltsame Geräusche an das Ohr eines Zollbeamten. „Akkordeon-Klänge“, behaupteten die Ägypter. Der Zöllner hörte jedoch ein deutliches „Aiutol Asassini!“ (Hilfe! Mörderl). Kurzentschlossen fuhren die Diplomaten mit dem Koffer wieder davon, wurden jedoch bald von der Polizei eingeholt.

Auf dem Polizeipräsidium wurde der Koffer gewaltsam geöffnet. Sein Inhalt: Ein blonder, gutaussehender Israeli namens Morchedai Ben Masud Luk, der gefehlt und halbbetäubt auf einem Stuhl saß, die Füße in festsitzenden Schuhen, den Kopf in einem eingebauten Sturzhelm. Alte Schweißspuren im Lederband des Helms verrieten, daß er nicht der erste Kofferpassagier gewesen war.

Luk war vor drei Jahren als Vorbestrafter aus Israel nach Ägypten desertiert, Frau und vier Kinder zurücklassend. Der ägyptische Geheimdienst schickte ihn als Spion nach Europa, wo er in Frankfurt, Luzern und Basel Informationen über Juden und über Bars und Nachtlokale einholen mußte. Schließlich ließ sich der Agent, der sieben Sprachen spricht, im NATO-Stützpunkt Neapel als Touristendolmetscher nieder. In seinem Schrank hingen zehn maßgeschneiderte Anzüge.

Nach Kairo sollte er entführt werden, weil er angeblich höhere Bezahlung verlangt hatte. Es wird jedoch vermutet, daß er ein Doppelagent war und die ganze Zeit auch für den israelischen Geheimdienst arbeitete. Warum sonst hätte er so umständlich nach Kairo zur Zentrale verschleppt werden müssen? Warum sonst kehrte der Deserteur Luk freiwillig nach Israel zurück?

Wegen des Entführungsversuches wurden vier ägyptische Beamte aus Italien ausgewiesen. Dieses Schicksal zu erleiden, gehört für ägyptische Diplomaten fast zum Berufsrisiko. In den letzten Jahren wurden Vertreter Kairos aus siebzehn afro-asiatischen Ländern ausgewiesen.