Schauspiel mit Touristen

Schauplatz der Handlung: Samnaun, ein kleiner Flecken in einem schweizerischen Hochtal nahe St. Moritz. Mitwirkende: Tankstellenwarte, Lebensmittel- und Spirituosenhändler, Touristen, Skiläufer und Bergsteiger. Es geht: um die Zollfreiheit. Obwohl das Schauspiel nicht mehr ganz neu ist – wir kennen bereits ein ähnliches unter dem Namen "Helgoland" –, scheint es wegen seiner zeitgemäßen "Problematik", der Zollfreiheit, und seines reizvollen Bühnenbildes, die Schweizer Alpenwelt, attraktiv genug, daß sich sommers wie winters das Publikum einstellt und handelnd (im wahrsten Sinne des Wortes handelnd) in die Szene eingreift. Da Samnaun nur über Landeck (Tirol) zu erreichen ist, muß es seine Güter aus Österreich beziehen. Die sonst so unbeugsame Berner Regierung hatte ein Einsehen und billigte dem 100-Seelen-Flecken die Zollfreiheit zu. Sie gab sozusagen die Ouvertüre zu einem bewegten, fast burlesken Schauspiel, machte aus der Hochalm einen Fremdenverkehrs- und Durchgangsort, der heute neben fünf Privathäusern neun Hotels zählt, in dem fünf Tankstellen installiert und die Hotels mit Verkaufsräumen ausgestattet sind. Die (Zoll-) Freiheit, die die Touristen meinen, füllt ihnen die Taschen und Autotanks.

Neue Kunst am Louvre

Am Eingang zum Louvre kann man jetzt ein neues "Gemälde" bewundern: Ein nach Art der Verkehrszeichen rundes rotumrandetes Schild mit einem schwarzen zierlichen Damenpumps auf weißem Grund. Das heißt nichts anderes als: Verbot für Stöckelabsätze (Talons aiguilles interdit)! In den ersten Tagen nach Aufstellung dieses Schildes, für das sich übrigens Frankreichs Kultusminister Malraux höchstpersönlich einsetzte, sah man viele Damen auf Strümpfen durch die heiligen Hallen des Louvre schnüren. Inzwischen hat sich das Verbot herumgesprochen, und die meisten Besucherinnen bringen daher in einem Beutel ein zweites Paar Schuhe mit flachen Absätzen mit.