Daß DIE ZEIT (vom 25. September) mein Buch "Wer ist Jude?" (Seewald Verlag, Stuttgart) "dieses antisemitische Machwerk" genannt hat, wird sie vor ihrem eigenen Gewissen zu verantworten haben – nicht vor Gericht. Das Urteil wird von Menschen gefällt werden, denen Wertung und Infamie erkennbar und unterschiedlich geblieben sind – also vielleicht von den Lesern der ZEIT und gewiß von den Lesern meines Buches. Und es wird dafür gesorgt werden, daß mein jüdisches Publikum in Israel und mein nichtjüdisches Publikum in anderen Teilen der gesitteten Welt von dieser pikanten Ungeheuerlichkeit Kenntnis bekommt: daß eine deutsche Zeitschrift mein Buch "dieses antisemitische Machwerk" nannte.

Darüber hinaus werde ich mich mit der Identifizierung einiger Verfälschungen begnügen, derer sich der Rezensent der ZEIT bedient hat. Für seine Werturteile ist er nur seinem Geschmack verantwortlich; wo der Rezensent aber verfälscht, hat er sich vor dem Autor zu verantworten.

Mein Buch, schreibt Lewy, "stopft in seine Thematik ... von Haß und Verleumdung getragene Behauptungen, die von antisemitischer Seite kaum besser aufgestellt werden könnten". – Ich verlange von Lewy den konkreten Hinweis auf eine einzige Aussage meines Buches, die "von Haß und Verleumdung" getragen ist. Mein Buch ist mit tiefem Respekt für das jüdische Volk und seine Leidensgeschichte geschrieben, und so "bewältigt" ist die deutsche Vergangenheit denn doch noch nicht, daß es gestattet werden könnte, sich mir gegenüber der Juden anzunehmen.

Von "jüdischer Frechheit" und "jüdischer Hast" spreche ich auf S. 27 meines Buches unter den völlig unverkennbaren Anführungszeichen des ordinären Volksmundes. Ein Rezensent, der diese Zitate eines vulgären Vorurteils als meine eigenen Urteile ausgibt, verfälscht einen überprüfbaren Tatbestand.

Lewy: "Schlamm versucht, dem Leser klarzumachen, daß jeder, auf den – seiner absurden These zufolge – die Bezeichnung jüdische Hast’, jüdische Intelligenz’, jüdische Frechheit’ und dergleichen nur aus Vorurteilen schlimmster Art entspringende Vorstellungen zutreffen, ,als Jude‘ gelte. ‚Wer sie hat‘", zitiert Lewy mein Buch, "gilt als jüdisch – was immer auch seine leiblichen Großmütter gewesen sein mögen." (S. 27)

Das ist eine Textfälschung. Was mein Buch auf S. 27 eindeutig und nachprüfbar aussagt, ist dies: "Sensibilität ist nämlich von all den vielen ‚Rassenmerkmalen’, die man den Juden im Laufe der Jahrhunderte angemerkt haben wollte, wohl das auffallendste und eindeutigste ... Eine unverkennbare Intensität der Intelligenz, ein wacher Sinn für die Nuance, eine besondere Sensibilität. Wer sie hat, gilt als jüdisch – was immer auch seine leiblichen Großmütter gewesen sein mögen." Wer diese Definierung des Juden mit "jüdischer Hast" und "jüdischer Frechheit" identifiziert, verfälscht einen überprüfbaren Tatbestand.

Lewy: "‚Der‘ Juden Eigenart, die wohl im Religiösen, aber keinesfalls im Biologischen existiert, ist doch nichts anderes als die Eigenart jedes Individuums." Mit diesem Aperçu Lewys werden die vermeintlich gegenteiligen Thesen meines Buches konfrontiert. Aber in meinem Buche sage ich eindeutig und nachprüfbar: 1. Jüdische Eigenart liegt keinesfalls im Biologischen. (Was übrigens offenbar Lewys Ansicht im vorangehenden Absatz seiner Rezension ist: er schlägt dort, in Opposition zu meiner Definition des Juden, diese seine biologische Definition vor: "Jude ist, wer von einer jüdischen Mutter abstammt.") 2. Mein Buch definiert den Juden als "schlechthin den anderen", jüdische Eigenart als die Eigenschaft "des anderen", und Antisemitismus als die Höllenangst des unsicheren Menschen vor jedem, der "anders" ist als er selbst. Indem Lewy meinem Buch die gegenteiligen Aussagen unterstellt, verfälscht er einen überprüfbaren Tatbestand.