Die National Gallery in London hat soeben dieses Spätwerk von Paul Cézanne erworben und dafür runde fünfhunderttausend Pfund bezahlt. Das ist der höchste Preis, der bisher nicht nur für einen Cézanne, sondern für irgendeinen Maler des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts bezahlt wurde. Das Bild kommt aus der Sammlung Auguste Pellerin, seine in Paris lebenden Erben haben es nach London verkauft. Wie das britische Schatzamt bekanntgab, wurde der halbe Kaufpreis von einem privaten Mäzen gestiftet, die britische Regierung hat 125 000 Pfund zugeschossen, den Rest hat die National Gallery aus ihrem Ankaufsetat aufgebracht. – Die Gründe für diesen spektakulären Erwerb: Cézannes Rolle als Wegbereiter der modernen Malerei, die Knappheit des zur Verfügung stehenden Materials, die weiter anhaltende Hausse auf dem Kunstmarkt würden den sensationellen Preis kaum rechtfertigen oder auch nur erklären. Sicher würde kein Stilleben, keine Landschaft, kein Porträt von Cézanne annähernd so hochbewertet werden, aber das Thema der "Badenden" spielt im Oeuvre Cézannes eine spezielle und entscheidende Rolle. Unablässig hat es ihn während seiner letzten zehn Jahre beschäftigt. Es existieren ein Dutzend Fassungen, die das Thema der Frauen in der Landschaft variieren. Und diese Bilder gelten gleichsam als sein "letztes Wort", als sein Testament. Von hier aus führt die Linie unmittelbar zu den Kubisten, zu Pablo Picasso, bis in die Gegenwart. g. s.