HPB, Hamburg

Es geht alles sehr ruhig zu bei der Kundgebung der neuen Partei mit Namen EFP. Die Kellner im "Hotel am Holstenwall" servieren Grog und Kaffee, Bier und Apfelsaft, aber sie brauchen sich nicht anzustrengen, denn kaum mehr als zehn Dutzend Leute sind dem Aufruf der Gründer gefolgt.

Die Gelassenheit verläßt die Zuhörer auch nicht, als vorn, am Podium, große Worte gesprochen werden. Die "Europäische Föderalistische Partei Deutschlands (EFP)" – so nennt sich die Vereinigung – will ein "Sammelbecken gläubiger Europäer" sein und verspricht ihren Anhängern und den Ungläubigen, alle Probleme unseres Erdteils zu lösen.

Vor der neuen Fahne des Europarats ("symbolische Beschreibung: Auf dem blauen Grund des westlichen Himmels bilden die die Völker Europas darstellenden Sterne einen Kreis zum Zeichen der Einheit. Die unveränderliche Zahl 12 steht für die Vollkommenheit") – vor diesem dekorativen Hintergrund also verrät Landesvorsitzender Henry Glabbatz das Patentrezept zur Heilung aller politischen Leiden: Wenn erst in allen Ländern Europas die "Europäischen Föderalistischen Parteien" an die Macht gekommen seien, werde es gelingen, die Vereinigten Staaten von Europa zu gründen, und dann werde die Wiedervereinigung uns "automatisch" in den Schoß fallen. Denn die EFP will auch in den osteuropäischen Staaten Bundesgenossen suchen – "und wenn erst Franzosen und Portugiesen, Deutsche und Polen, Rumänen und Italiener in einem Staat vereinigt sind, dann läßt sich die Wiedervereinigung Deutschlands nicht mehr aufhalten". Außerdem soll auf diese einfache Weise der Friede gerettet, der Wohlstand Europas gewaltig gesteigert und die Konkurrenz der jungen Völker abgewehrt werden.

Glabbatz, ein großer blasser Mitdreißiger, wirbt um die Gunst seiner Zuhörer mit gutgeübten Phrasen: "Die alten Parteien sind mit ihren Praktiken am Ende"; "Wir wollen den drohenden dritten Weltkrieg verhindern, ohne dabei unsere Freiheit zu verlieren" und: "Laßt doch endlich die Völker entscheiden, sie wollen ja alle längst das vereinigte Europa. Aber ihre Regierungen wollen ihnen weismachen, die Zeit sei noch nicht reif dafür ..." Die bestehenden europäischen Gemeinschaften tut der Redner verächtlich ab, spricht von "Speseneuropäern" und von "Nieten".

Die neue Partei will alles auf einmal sein, sozial, liberal, humanistisch und konservativ. Weder "rechts" noch "links" noch "Mitte", Feind jeder "Ideologie", bezeichnen sich die Gründer bescheiden als Männer, "die Ideen haben". Das Europa, das die EFP’s aller Länder nach einem europäischen Grundsatzprogramm anstreben, soll beileibe keine "Vermanschung" der Völker bringen. "Wir müssen danach trachten, eine Art europäischer Eidgenossenschaft zu errichten, in der jedes Volk nach seiner Fasson selig werden kann."

Dieses Wort von der eigenen Fasson taucht dann auch bei dem zweiten Redner auf, dem "Präsidenten der EFP Deutschland", Ernst Ruban aus Bremen. Aber während der Mann an der Spitze sich im Besußtsein seiner Exponiertheit mehr zurückhält, erläutert der Hamburger Landesvorsitzende genauer, wie er sich das Verhältnis von Vaterlandsliebe und Europabegeisterung vorstellt: "Wer kein guter Deutscher ist, kann auch kein guter Europäer werden. Wer sein eigenes Volk verlacht und bespuckt, wird es morgen mit Europa tun. Es scheint uns an der Zeit, das Kapitel der Vergangenheit abzuschließen ... Wir sehen unsere Aufgabe nicht darin, die Vergangenheit zu bewältigen und nicht einmal die Gegenwart; wir sind die einzige Partei, die völlig unbelastet von diesen Dingen die Zukunft und nur die Zukunft zu bewältigen sucht."