Komödie von Albert Husson

Nürnberger Schauspielhaus

Der Franzose Albert Husson (1912 in Lyon geboren) ist dank den Übersetzungen von Carl Werckshagen in Deutschland schon mehrmals gespielt worden. Von Werckshagen stammt auch das gut sprechbare Bühnendeutsch in Hussons jüngstem Stück, dessen deutsche Erstaufführung von Rolf Lansky inszeniert wurde. Die Städtischen Bühnen in Nürnberg haben damit ihrem Repertoire einen wahrhaft heiteren Abend eingefügt. Hussons besinnliche "Komödie" dauert länger als die Tragfähigkeit ihres Grundeinfalls. In Nürnberg kamen wirkungssichere Schauspieler dem Autor zu Hilfe.

Das "System Fabrizzi" besteht aus Systemlosigkeit. In einer italienischen Stadt leiht Antonio Fabrizzi, dessen Herkunft niemand kennt, Geld an Bedürftige aus und nimmt nur drei Prozent Zinsen, während die Banken neun Prozent verlangen. Wer hingegen sein überflüssiges Geld Fabrizzi anvertraut, dem verzinst er es mit dreißig Prozent. Die Banknoten liegen in einer unverschlossenen Truhe; unverschlossen sind alle Türen in Fabrizzis Haus. Wer den seltsamen Wohltäter anbettelt, den fordert er auf, sich nach Belieben aus der Truhe zu bedienen. Es ergeben sich menschlich verblüffende Wirkungen. Unheimlich ist der Kreditamateur allerdings den Banken, der örtlichen Polizei, der Kirche und den Behörden in Rom. Sie versuchen, ihn entweder zur "Vernunft" oder zur Strecke zu bringen. Er aber krönt seine arithmetischen und finanziellen Paradoxien mit einer weiteren, nur im Märchen erlaubten Torheit: Er heiratet Amelia, eine heißblütige Siebzehnjährige anrüchiger Herkunft, die ihm von der Polizei als Fallstrick ins Haus geschickt worden war.

Die vier Akte leben von den bald komischen, bald rührenden Überraschungen, die sich beim Zusammenprall von naivem Sein und einem Schein einstellen, der als gesellschaftlich-politische Wirklichkeit gilt. In dramatischer Hinsicht leidet die gedehnte Fabel an Kurzatmigkeit. Den immer neuen Ansätzen, Fabrizzi zu entlarven oder zu bekehren, steht lediglich die immer gleiche, entwaffnende Selbstsicherheit des wunderlichen Finanzheiligen gegenüber.

In Nürnberg besitzt man einen Schauspieler, der diesen Alleingang wagen durfte: Julius Mitterer. Ganz unweichlich, eher körnig im Wesen, gewann er Fabrizzis Herzensgüte eine Skala von Nuancen ab. Lanskys souveräne Regie stützte durch scharf profilierte, auch Chargen zu Solowirkungen hochtreibende Partnerschaften. Eine Idealbesetzung für die "siebzehnjährige" Amelia war Ursula Mörger, Herwig Walter als römischer Inspektor ein kultivierter Darsteller des Konversationsstücks. Bemerkenswert durch Architektur und Atmosphäre das Bühnenbild von Walter Perdacher. Die Premiere war ein Publikumserfolg. Johannes Jacobi