Ich habe einen Freund. Er ist noch jung; die Erwachsenenwelt rechnet ihn zu den sogenannten Halbstarken. Er ist christlich getauft worden, jetzt indessen ziemlich atheistisch, beinahe nihilistisch, jedenfalls ist er gegen die Kirche, gegen die Politik, gegen die Romantik, gegen die Gewerkschaften, gegen den Christlichen Verein Junger Männer. Genauer gesagt: Er war’s. Nun ist er dafür, für scheinbar alles. Und das kam so.

Mein Freund arbeitet in einer Fabrik. Abends fuhr er mit seinem Moped durch die Stadt, stand an den Ecken zusammen mit seinesgleichen als ein Symbol für die "Erwachsenen", die dann immer wieder genau wissen, daß die Jugendlichen viel zuviel freie Zeit hätten und nicht wüßten, was sie damit anfangen könnten. An Wochenenden ging er tanzen und suchte Mädchen, die er (sein Ausdruck) zu "vernaschen" hoffte.

Neulich jedoch kam er zu mir und sagte: "Das ist ja alles Quatsch, alles Mist: Immer tanzen gehen. Immer diese doofen Mädchen, mit denen man kein vernünftiges Wort reden kann. Immer dasselbe. Ich hab’s satt. Weißt du nichts Besseres?"

Ich überlegte eine Weile, und dann riet ich ihm: "Du solltest dich doch mal einer Gruppe anschließen, wenigstend könntest du’s versuchen. Pfadfinder, CVJM und so weiter. Immerhin wär’ das mal ganz was anderes."

Mein Freund zeigte Begeisterung – ich glaube, sie war ehrlich. Er zog sofort los. Er ging zu den Pfadfindern.

In ihrem Hause fand gerade ein Tanzabend statt. Mein Freund war überrascht, denn das hatte er nicht erwartet. Vorsichtig fragte er den Gruppenleiter, warum sie denn nicht Pfade fänden (oder suchten), "Blaue Blume" sängen und so weiter. "Jugendarbeit ist heute sehr schwierig", war die Antwort, Romantik ist nicht mehr gefragt. Wir müssen die Jugendlichen erst einmal heranlocken. Später können wir dann weitersehen. Unsere Hauptaufgabe ist, sie von der Straße herunterzuhalten." Nun ja, mein Freund tanzte, er tanzte, wie eh und je.

In der nächsten Woche sagte er zu mir: "Da gab’s nichts Neues. Weißt du nichts Besseres?" Ich empfahl ihm, es einmal bei den Kolping-Brüdern zu versuchen. Dort herrsche sicher der Geist des Pater Kolping noch, und er werde etwas völlig Neues erleben, vielleicht eine ganz andere Welt finden.