Vom Zelt zur vollendeten Wohnburg – ein noch teurer Spaß

Von Heinz Dramsch

Der Wohnwagen oder Caravan, wie er vornehm heißt, ist ein rollender Zwitter zwischen Zelt und Ferienbungalow. Erinnern wir uns: Am Anfang stand das kleine, graue Zelt, auf allen Vieren kroch man hinein. Es paßte zusammengelegt in jedes Faltboot, ja sogar auf den Gepäckträger eines Fahrrades.

Ein Zelt war in wenigen Minuten aufgebaut und zum Schlafen eingerichtet. Im Handumdrehen war man frühmorgens reisefertig. Aber dann – einige Jahre nach dem Krieg – erhielt das Zelten einen englischen Namen. Es hieß "Camping" und wurde gesellschaftsfähig. Seitdem setzte es von Jahr zu Jahr mehr Komfort an. Im gleichen Maße verlor aber auch der Camper seine Beweglichkeit. Er brauchte jetzt Stunden, um sich auf dem Campingplatz einigermaßen zu installieren. Das Zelr wurde zur gerade noch transportfähigen Ferienvilla aus Leinwand, mit deren Hilfe man gewöhnlich seinen ganzen Urlaub an einem bestimmten Ort verbrachte. Hier richtete man sich einschließlich Vogelbauer und Blumenvase häuslich ein, wozu eine neu entstandene Campingindustrie hundert Kleinigkeiten beisteuerte. Ein Von-Ort-zu-Ort-Reisen kam mit all diesem Drum und Dran allerdings kaum noch in Frage.

Vermutlich waren es echte alte Zeltler, die zuerst in die Wohnwagen umstiegen, um das Camping wieder flottzumachen. Den Wohnwagen brauchte man nur ganz einfach hinten an sein Auto anzuhängen und hatte sein Haus dabei, nahezu fix und fertig eingerichtet mit Küche, Wohn- und Schlafzimmer in einem, gemütlich und trocken, nicht allzu geräumig, aber auch nicht mit dem alten Duckdichzelt zu vergleichen. Diese Wohnanhänger aus Sperrholz, Kunststoff oder Leichtmetall, starr oder durch ein paar Handgriffe für die Fahrt zu verkleinern, sind so leicht, daß schon ein verhältnismäßig kleiner Wagen die Last über die Alpenpässe zu ziehen vermag. Man kann sie abschließen wie die Wohnung daheim, und ist nicht einmal unbedingt auf einen Campingplatz angewiesen.

Der Wohnwagen sollte dem Camper seine Freizügigkeit zurückgeben. Um das Wohnwagenreisen populär zu machen, lieh man sich wiederum einen angelsächsisch klingenden Namen dafür aus: "Caravaning", klingt nicht so bieder.

Aber es lief doch alles nicht ganz so, wie man es sich vorgestellt hatte. Schon heute benutzen die weitaus meisten Wohnwagenbesitzer dieses an sich bewegliche Gerät mehr als Wochenend- oder Ferienhaus auf Rädern, für das man draußen vor den Toren der Stadt einen festen Stand gepachtet hat. Man braucht heute nur einmal an einem günstig gelegenen Campingplatz vorbeizukommen, und man sieht dort Dutzende von Wagen "eingemottet" stehen. So spielt heute die Beweglichkeit der Wohnwagen nur noch eine bescheidene Rolle.