Von Waldemar Besson

Dwight D. Eisenhower: Die Jahre im Weißen Haus, 1953–1956; Econ-Verlag, Düsseldorf; 670 Seiten, 29,80 DM.

Nicht immer vermag derjenige, der Geschichte gemacht hat, sie auch zu schreiben. Und mancher dekuvriert sich, wenn er den Glanz, den ihm die historische Legende zuweist, literarisch auszumünzen sucht. Ich zweifle, ob Dwight D. Eisenhower, das Vatersymbol des amerikanischen Volkes, das bedacht hat, als er sich als Biograph in eigener Sache betätigte. Denn seine Memoiren ernüchtern auf jeden Fall den Leser, der solcher Ernüchterung noch bedürftig gewesen wäre.

Das soll nicht mißverstanden werden. Der General hat große Verdienste um sein Land wie um die freie Welt, und er hat gewiß Geschichte gemacht. Eisenhowers Beitrag zum alliierten Sieg im Zweiten Weltkrieg ist ebenso bekannt wie. seine Leistung als erster Oberbefehlshaber der NATO.

Weniger weiß der deutsche Leser, welch wirksame Therapie Name und Programm Eisenhowers in den aufgewühlten Leidenschaften Amerikas in den Jahren 1952 und 1953 bedeutet haben. Der kalte Krieg hatte den traditionellen Isolationismus endgültig weggewischt. George Washingtons Abschiedsbotschaft von 1796, bislang das Grunddokument aller amerikanischen Diplomatie, war ins historische Museum gewandert. Aus dem jähen Wechsel vom weltpolitisch indifferenten und optimistischen Amerika zur erstverantwortlichen Führungsmacht der westlichen Welt folgten gewaltige Bewußtseinsneurosen. Kein Wunder, daß Großinquisitoren vom Schlage McCarthys auftauchten und daß sich Amerika alsbald hektisch auf die Jagd nach kommunistischen Verrätern begab.

Vater Eisenhower beruhigte das Land, als er Präsident geworden war. Er demonstrierte, daß der amerikanische Alltag sich auch inmitten der Strudel des kalten Krieges nicht zu verändern brauchte. Nach dem New Deal Roosevelts und den kühnen Schritten Trumans in Berlin und Korea war nun die Pause der Konsolidierung notwendig. Deswegen wählten die Amerikaner 1952 nicht den brillanten Intellektuellen Stevenson, sondern den grundsoliden und eher hausbackenen Eisenhower.

Und so hausbacken, wie man ihn wollte, so war er auch. Was ihm dann in den späteren Jahren der Präsidentschaft als Gegenspieler Nikita Chruschtschows abverlangt wurde, leistete gedanklich vornehmlich John Foster Dulles, der zum Felsen wurde, auf dem das Regime Eisenhower gründete. Die Person des Präsidenten verbürgte Ruhe und Stetigkeit: Das war genug, den Status quo zu sichern, ja es war genau das, was dafür erforderlich war. Wenn man spekulieren dürfte, würde man zugeben müssen, daß Adlai Stevenson wohl kein so erfolgreicher Präsident wie Eisenhower geworden wäre. Denn die goldenen fünfziger Jahre der Sekurität in Amerika hinter dem Schild der massiven Vergeltung wollten und brauchten einen Eisenhower und keinen Roosevelt, Stevenson, oder Kennedy.