Von Horst Künnemann

Auf Wiedersehen!" sagte der Dinosaurier zum kleinen Danny, als er nach einem Tag, erfüllt von einfallsreichen Spielen, wieder ins Museum heimkehrte. Die bestürzend komische Bildgeschichte von der Freundschaft eines kleinen Jungen, mit einem Giganten der Vorzeit, gezeichnet und erzählt von Syd Hoff, erschien bei uns vor einigen Jahren (Sigbert Mohn Verlag, Gütersloh), wurde kaum beachtet und rasch wieder vergessen. Sie beleuchtet nur einen von vielen bemerkenswerten Aspekten, die amerikanische von deutschen Kinder- und Jugendbüchern unterscheiden.

Syd Hoffs Buch war Vertreter einer ganzen Kategorie von Titeln, die sich im Bereich des Nonsense, der vorgeschichtlichen Erzählung oder des ernsthaften Sachbuchs für junge Leser mit dem Leben urzeitlicher Lebewesen beschäftigten. Zur gleichen Zeit wurde auch der Spielzeugmarkt von Sauriern aller Rassen in Plüsch und Plastik überschwemmt – Zeugnis eines amerikanischen Drangs nach Geschichte und Vergangenheit.

Die USA, Staat der Einwanderer und Völkerschaften unterschiedlichster Herkunft, werden, von Europa aus betrachtet, gern mit der Vokabel der "Geschichtslosigkeit" versehen. Der Blick auf die Kinder- und Jugendbuchproduktion widerlegt dieses Klischee ganz entschieden. Die Indianergeschichte, seit Cooper bei uns beheimatet und von zahllosen Epigonen gepflegt, hat für das amerikanische Kind die Valenz des Geschichtlichen. Die mit ihr verbundene Grenzer- und Pioniergeschichte, von allen Kinderbuchverlagen mit einer Unzahl von Titeln gefördert, wirken mit an der Saga der Eroberung Amerikas durch den weißen Mann. "Pioneers, oh Pioneers ..." von Whitman ist ein Stück amerikanischer Wirklichkeit der Gegenwart geblieben, trotz Konformismus, TV, Supermarkt und Massengesellschaft.

Und noch auf einem anderen Gebiet der Kinderlektüre erweist sich die traditionsverhaftete Position der amerikanischen Jugendliteratur der deutschen überlegen: dem der Politik. Als Beispiel unter vielen sei nur die Serie der "Landmark Books" (Random House, New York) genannt, die in mehr als 100 Bänden die gesamte Entwicklung der Vereinigten Staaten, das Schicksal ihrer Staatsmänner und Präsidenten von den Anfängen bis in das aktuelle Gegenwartsgeschehen in kindgemäßer Form erzählen. Washington, Lincoln, Jefferson, in den Veröffentlichungen anderer Kinderbuchverlage Eisenhower und John F. Kennedy sind in jugendliterarischer Form leitbildhaft als Muster politischen Denkens und Handelns dargestellt.

Eine Parallele zur deutschen politischen Gegenwart läßt sich in einheimischen Erzeugnissen nicht ziehen. Nach brauchbaren Ansätzen, Themen der NS- und Nachkriegszeit jungen Leuten in Buchform nahezubringen, ist die Jugendliteratur in weiten Bereichen wieder in den neoromantischen Dämmerschlaf der heilen Welt zurückgesunken. Politische Akteure auf bundesdeutscher Bühne sind weder für das Kinder- noch für das Jugendbuch gefragt.

Die Amerikaner sind da konsequenter: In der "Getting-to-know"-Reihe (Coward-McCann, New York) sind zwei vorzügliche Sachbücher von John A. Wallace über Polen und die UdSSR erschienen, die Tatsachen, Information, verpackt in lebhafter Darstellung bieten.