Von Robert Lucas

Novembernebel animieren zum Träumen – vielleicht, weil man manches nicht so genau sieht. Oder, umgekehrt, mehr als sonst? J. B. Priestley neigt offenbar zur zweiten Auslegung. Ihn faszinierte noch mehr: Der Sinn des Traumes.

Abraham Lincoln träumte, daß er in seinem Zimmer, ohne eine andere Person erblicken zu können, durch lautes Schluchzen erschreckt wurde. Beunruhigt wanderte er durch das Gebäude und fand, daß jeder Raum des Weißen Hauses, obwohl menschenleer, von herzzerreißendem Stöhnen und Klagen erfüllt war. Als er schließlich den als "East Room" bekannten Zeremoniensaal betrat, fand er dort eine Leiche aufgebahrt und hörte von einem Soldaten, der die Totenwache hielt, daß der Präsident von einem Attentäter getötet worden sei. Als er daraufhin die Leiche betrachtete, sah er, daß sie seine Züge trug.

Am nächsten Morgen, so heißt es, erzählte Abraham Lincoln einigen Freunden von seinem Traum, und diese Zeugen verbürgten die Wahrhaftigkeit des Berichts. Denn der Präsident wurde einige Tage später ermordet; sein Leichnam wurde im "East Room" aufgebahrt.

Diese Geschichte ist oft erzählt worden. Sie muß von Millionen Menschen gelesen worden sein: von Skeptikern, die rundweg ihre Glaubhaftigkeit bezweifelten, von gläubigen Liebhabern des Okkulten, die sie mit einem angenehmen Nervenkitzel zur Kenntnis nahmen, von Gleichgültigen, die mehr oder minder gedankenlos in ihr einen Beweis für die Existenz prophetischer Träume sahen, von Rationalisten, die sie bestenfalls mit starken Vorbehalten als einen Bericht über zufälliges Zusammentreffen ungewöhnlicher Umstände akzeptierten.

Nicht so J. B. Priestley.

John Boynton Priestley, berühmter Romancier, Dramatiker und Essayist, siebzig Jahre alt, richtete 1963 in einem Fernsehprogramm an das englische Publikum den Appell, ihm persönliche Erlebnisse mitzuteilen, die auf eine ähnliche zeitliche Vorwegnahme eines späteren Ereignisses hindeuten. Er wurde mit Briefen überschwemmt.