Es ist gar nicht so leicht, den Feinden ihre Tugenden zu verzeihen,

Voltaire

Nobelpreisträger müßte man sein!

Herbe Kritik an der Struktur der deutschen Universitäten übte Nobelpreisträger Professor Rudolf Mössbauer, dem ausgerechnet das angeblich so konservative Land Bayern die Möglichkeit gab, die Technische Hochschule in München nach amerikanischem Muster zu reformieren; und ausgerechnet vor der auch nicht gerade als fortschrittlich verschrienen CSU konnte Mössbauer so goldene Worte prägen wie: Die Einheit von Forschung und Lehre ist in Deutschland vielfach nur noch eine Farce; an ihre Stelle ist die Einheit von Lehre und Verwaltung getreten. Und: Bei der Habilitation ist der junge Wissenschaftler viel zu abhängig vom Institutsleiter, die Kronprinzenfolge an den deutschen Hochschulen führt zu Intrigen und zur Vergiftung der Atmosphäre. – Solche Sätze geben uns Grund zu wünschen, daß noch viele Wissenschaftler von Übersee nach Deutschland zurückkehren und dabei nur die eine Bedingung stellen, frei ihre Meinung äußern zu dürfen.

Der Maestro war zu großzügig

186,5 Millionen Schilling (28,7 Millionen DM) beträgt das Defizit, das die drei österreichischen Bundestheater Staatsoper, Burgtheater und Volksoper in der Spielzeit 1962 dem Staatssäckel präsentierten. Der Rechnungshof, der jetzt die Prüfungsakten veröffentlichte, konnte sich nicht entschließen, Verständnis dafür aufzubringen, daß Sängerinnen mit rund 1800 DM pro Monat bezahlt wurden, aber nie auftraten, daß Inszenierungen, die 125 000 DM kosteten, nur 35 000 DM einspielten oder daß eine "Tannhäuser"-Inszenierung 2,1 Millionen Schilling (323 000 DM) verschlang. Kurzerhand und recht unverhohlen lastete der Rechnungshof dem damaligen "Chefdirigenten" Herbert von Karajan den Großteil der Schuld am Defizit an – ohne allerdings ihm die bislang übliche Gelegenheit zu einer Stellungnahme zu geben –, zeigte sich vor allem auch ungehalten darüber, daß der Maestro an 162 Tagen "anderweitig verpflichtet" gewesen sei. Sollte allerdings Herbert von Karajan die restlichen 203 Tage der Staatsoper zur Verfügung gestanden haben, dürfte er das Pensum gar manchen Generalmusikdirektors beträchtlich übertroffen haben.

Beethoveniana