Skizze zu einem Psychogramm des Studenten-Agenten Frowald Hüttenmeister

Von Werner Höfer

Das ist ein „egghead“, wie er in keinem Buche steht: Frowald Hüttenmeister. Die Stirn, über der die Kammlage der Haare bereits den ersten Kahlschlag hinnehmen mußte, strebt steil himmelwärts. Wie bei Elektronenhirnen, wenn sie die ihnen anvertrauten Daten verarbeiten – eine leichte Vibration mehr zu empfinden als zu erkennen –, so glaubt man, aus diesem Gesicht ablesen zu können, wie das hochentwickelte Menschenhirn Gedanken produziert. Wenn er spricht, dann sind seine Sätze die exakt gestanzten Ergebnisse eines klaren Denkprozesses. Die äußersten intellektuellen Anstrengungen möchte man diesem kleinen, feingliedrigen, fast knabenhaften Jüngling zutrauen, aber kaum glauben, daß er körperlichen Strapazen gewachsen sei. Um so überraschender, daß er ohne falsches Heroenpathos verrät:

„Bei 40 Grad in der schattenlosen Wüste lebe ich erst richtig auf.“ Und wie mag dieser eher asketisch als athletisch wirkende junge Mann, dessen Nerven sichtbar unter der Haut zu vibrieren scheinen, das eine Jahr (von den zehn über ihn verhängten Jahren) im ägyptischen Gefängnis überstanden haben? Wieder wird seine Antwort nur dadurch glaubwürdig, daß sie ohne jene fatale Märtyrerkoketterie vorgebracht wird:

„Mit Lampenfieber oder Nervenkrisen habe ich nichts zu schaffen. In der Nacht vor meiner Verurteilung habe ich geschlafen wie in jeder anderen Nacht. Ich wurde erst wach, als am Morgen die Zellentür geöffnet wurde.“

Schlaf der Gefangenen – Schlaf der Gerechten ...

Wie das Urteil war, und wie es dazu kam: darüber ist alles gefragt und alles gesagt worden. Der Student und Agent Frowald Hüttenmeister hat in keinem der Interviews, von denen die schlimmeren ihm wie verschärfte Verhöre vorgekommen sind, bestritten, was er getan hat, oder beklagt, was ihm angetan wurde. Ob im Gerichtssaal von Kairo oder im Elternhaus zu Köln, ob vor Richtern und Reportern – seine Aussagen sind nahezu austauschbar: