Fischer zitiert auch den Kaiser aus dem Jahre 1913: „Das Kapitel drei, der Kampf der Germanen gegen Russo-Gallien beginnt. Es handelt sich um Sein oder Nichtsein der Germanischen Rasse in Europa.“ Fischer fügt auch diesem Zitat ein älteres desselben Schreibers hinzu: Im Jahre 1907 schrieb der Kaiser, verstimmt über die französische Konkurrenz im Orient, es dürfe den Galliern kein Zweifel darüber gelassen werden, daß sie uns im Orient nicht aus dem Sattel heben könnten. „Das sind vitale Interessen, bei deren Verteidigung es aufs Ganze geht. Dafür schlage ich mich eventuell.“

Fischer untersucht zwischendurch höchst instruktiv die Verquickung von wirtschaftlichem und staatlichem Imperialismus, wie sie sich der deutschen Vorkriegspolitik auf dem Balkan und im Orient darstellte. Der Einfluß in diesen Staaten bedeutete immer auch Anleihen, aber der Berliner Kapitalmarkt war erschöpft, das Feld mußte anderen, finanzstärkeren Nationen überlassen werden. Die deutsche Orientpolitik war im Frühsommer 1914 auf das höchste gefährdet.

Fischer zieht nicht ausdrücklich den Schluß, aber der Leser soll ihn zweifellos von sich aus ziehen: um die Bemühungen Deutschlands, eine Weltmacht zu werden (oder um die bereits erworbene Weltmachtstellung zu retten, was im Effekt dasselbe bleibt), glaubte Deutschland 1914, in den Krieg ziehen zu sollen. Und wenn man dann noch liest, was die Generale Deimling und Tüff von Tschepe 1914 zu Kaisers Geburtstag ihren Offizieren sagten – „In diesem Jahr geht es los, ich habe es aus Allerhöchstem Munde“ –, dann ist der Leser überzeugt davon, daß Deutschland die Hauptverantwortung am Ausbruch des Weltkrieges trage, weil es von dem Gedanken der Weltmachtpolitik erfaßt gewesen sei.

Ist der Leser davon auch dann noch überzeugt, wenn er den folgenden Aufsatz in der gleichen Zeitschrift gelesen hat? Die Redaktion der „Historischen Zeitschrift“ hat, der Objektivität halber oder um des Vergnügens am wissenschaftlichen Streite willen, im gleichen Heft die beiden Hauptkämpen zu Worte kommen lassen. Als Fritz Fischer und Egmont Zechlin sich auf dem Berliner Historikertag die Hände schüttelten, gab es vergnügten Beifall bei den jungen Zuhörern. Nur ist die Auseinandersetzung mit einem Händedruck nicht aus der Welt geschafft, sie geht auch in diesem Heft weiter.